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Carretera Austral: Die wilde Seite von Patagonien

Es gibt sie noch die rauen Ecken von Patagonien, wo es nicht von Touristen in Outdoor-Jacken wimmelt. Die Carretera Austral bleibt für mich immer noch ein Geheimtipp, wo Patagonien seine ganze Schönheit entfaltet. Eingefasst in schneebedeckte Berge auf der einen Seite und zerklüftete Fjorde auf der anderen.

 

Die Carretera Austral ist ein großes Abenteuer, besonders wenn du sie per Anhalter fährst. Entlang der Strecke wirst du Gletscher sehen, an wilden Gebirgsflüssen vorbeikommen und durch Zauberwälder wandeln. Dieser schmale Streifen von Chile ist sehr abwechslungsreich und hat viele Überraschungen parat.

 

Link-Tipp: Patagonien vom Feinsten: Die Highlights vom Süden!

 

per Anhalter Chile

 

Die Carretera Austral per Anhalter fahren

Wenn du wirklich ein Abenteuer erleben willst, musst du die komplette Strecke per Anhalter fahren. Es ist zwar nicht viel los auf der Straße, aber in dieser Gegend hilft man sich gegenseitig und es ist selbstverständlich Tramper mitzunehmen. So lernst du Land und Leute viel intensiver kennen.

 

Ich muss zugeben, am Anfang war ich mir nicht sicher, ob wir nicht zwischendurch auf den Bus umsteigen werden. Aber es hat alles überraschend gut geklappt und wir sind nur netten Leuten begegnet. Es war ein kleines Experiment, da ich noch nie zuvor so eine weite Strecke getrampt bin. Zum Glück war ich nicht alleine unterwegs, sondern hatte einen Freund an meiner Seite (sonst hätte ich es mich getraut).

 

Wenn du an der Straße stehst und den Daumen raus hältst, weißt du nie was als nächstes passiert und wann es weiter geht. Du gibst ein Stück Kontrolle ab und lässt dich wirklich auf ein Abenteuer ein. Es gibt keine Ecke der Welt, die dafür besser geeignet ist.

 

Die Hilfsbereitschaft der Chilenen

Denn dir wird geholfen. Wir sind insgesamt 22-mal mitgenommen worden von chilenischen Touristen, einheimischen Bauern, einem Hausarzt, Handwerkern, Tanklaster- und LKW-Fahrern. Sie alle waren super freundlich und freuten sich etwas Gesellschaft zu haben auf den langen Strecken.

 

Jedes Mal haben wir uns gut unterhalten, von unseren Reisen erzählt und sie haben von ihren Familien berichtet und uns Tipps für die nächsten Stationen gegeben. Wir haben unser Essen geteilt und zusammen gelacht. Manchmal sind wir stundenlang zusammen gefahren oder nur für eine halbe Stunde hinten auf der Pritsche eines Pickups mitgefahren. Das waren ganz besonders die Momente, wo ich mich unheimlich frei gefühlt habe.

 

Entlang der Strecke triffst du natürlich auf andere Backpacker, vor allem chilenische Studenten, die immer gerne ihren Mate-Tee mit dir teilen.

 

Die Gletscher

Der Hängegletscher Ventisquero Colgante im Nationalpark Queulat ist einer der spektakulärsten Gletscher, die du auf der Carretera sehen wirst. Du kannst eine drei- bis vierstündige Wanderung machen, um ihn aus der Nähe zu sehen, was ich dir absolut empfehlen kann.

 

Der Gletscher Villa O’Higgins liegt am südlichen Ende der Carretera Austral und ist nur per Boot zu erreichen. Bei einem „Whisky on Ice“ (natürlich Gletschereis) kannst du die Fahrt ganz entspannt genießen. Die Doppelgletscherzunge mündet in den türkis farbenen See und ist ein imposanter Anblick. Die Tour ist zwar nicht ganz günstig, aber lohnenswert.

 

Für den dritten Gletscher musst du eine Tour buchen, die von Puerto Río Tranquilo startet. Von da aus fährst du in den Nationalpark Laguna San Rafael und zum Gletscher Exploradores. Ausgestattet mit Steigeisen und Eispickelt geht es nun aufs Eis. Falls du noch nie eine Gletschertour gemacht hast, ist das deine Chance. Ich habe gehört, dass es die günstigste Ganztagestour in Patagonien ist.

 

Die Marmorhöhlen am Lago General Carrera

Schon von weitem sieht der Lago General Carrera verführerisch aus, aber das türkis farbenen Wasser täuscht, denn es ist zu kalt zum Baden. Dafür ist es beliebt bei Anglern und Kajakfahrern. Von Puerto Río Tranquilo kannst du einen Bootsausflug zu den Marmorhöhlen „Catedrales de Marmol“ machen. Über die Jahrtausende hat das Wasser die Felsen ausgehöhlt und skurrile Formen gegeben. Ein einzigartiger Anblick.

 

 

Parque Queulat: Sendero Bosque Encantado

Völlig unerwartet war der nächste Stopp. Wir hatten ein paar Tage vorher einen Tipp bekommen, den „Bosque Encantado“ verzauberten Wald zu besuchen. So ließen wir uns mitten an einer Schotterstraße absetzen, wo ein kleines Schild in den Wald zeigte.

 

Es war wie ein Tor in eine andere Welt, da wir plötzlich in einem grünen Regenwald standen. Alles war von einer dicken Schicht aus Moosen und Flechten überzogen. Nur ein grünes Zwielicht drang durch das dichte Geäst. Mitten hindurch floss ein kleiner Bach und um unsere Köpfe schwirrten Kolibris, die von Blüte zu Blüte flogen.

 

„Kannst du mich mal kneifen, ich glaube ich träume.“ meinte ich noch zu Micha. Das war wirklich eine große Überraschung, die mich total umgehauen hat.

 

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Einfach wild zu campen

Noch völlig verzaubert suchten wir uns eine ruhige Ecke, wo wir unser Zelt aufstellen konnten. Bauten den Campingkocher auf und kochten unser Abendessen. Wir wuschen die Teller unten am Fluss und machten noch einen kleinen Erkundungsspaziergang. Als es dunkel wurde, krochen wir ins Zelt, unterhielten uns noch eine Weile und plünderten unsere Keksvorräte, bevor es früh ins Bett ging.

 

Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus. Der Wald war in einen dichten Nebel getaucht. Zum wach werden wusch ich mein Gesicht am eiskalten Fluss und machte Porridge und Tee zum Frühstück. Schnell hatten wir unsere Sachen zusammengepackt und standen wieder an der Straße. Kurze Zeit später nahm uns ein Pickup mit und setzte uns eine halbe Stunde später am Info-Center des Nationalparks ab.

 

Die Freiheit fast überall dein Zelt aufzuschlagen macht das Abenteuer auf der Carretera Austral perfekt.

 

Free-Camping-Tipp: Am Ende des Stegs in Caleta Tortel gibt es einen kostenlosen Campingplatz, inmitten des wunderschönen Fjord.

 

Im Einklang mit der Natur sein

Schon nach ein paar Tagen bist du im Einklang mit der Natur. Ständig bist du draußen unterwegs in, teilweise Wind und Wetter ausgesetzt. Dem Regen genauso wie den wärmenden Sonnenstrahlen. Du verbringst einen Großteil des Tages draußen: beim Warten am Straßenrand, beim Wandern und Entdecken, aber genauso beim Kochen, Essen und Relaxen.

 

Das macht es zu einer fast schon meditativen Erfahrung. Du fühlst dich lebendig und ausgeglichen.
Ich weiß noch genau wie schrecklich es war in die große Stadt Coyhaique zu kommen. Überall war Verkehr, es war laut und grau. Schnell erledigten wir unsere Einkäufe und flüchteten aus der Stadt. Zurück in die Natur und Ruhe.

 

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Confluencia Río Baker & Neff

Es gibt viele Momente, die mir noch von unserem Trip auf der Carretera Austral in Erinnerung geblieben sind, aber ein magischer Moment sticht besonders hervor. Es war bereits spät geworden, als wir endlich an der „Confluencia Río Baker y Neff“ ankamen. Hier vereinen sich zwei Gebirgsflüsse miteinander, der eine grau und der andere türkis farben. Am Flussufer konntest du die Kraft des Wassers förmlich spüren.

 

Da kam die Sonne noch mal zum Vorschein, es fing leicht an zu regnen und plötzlich war da ein Regenbogen, in solch einer Intensität wie ich es nie zuvor gesehen habe. Mein Herz quoll über vor Glück. Es war der perfekte Abschluss eines aufregenden Tages, den ich nie wieder vergessen werde.

 

Die Carretera Austral hat ein Stück von meinem Herz erobert und ich träume davon zurückzukehren.

 

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Noch ein paar Reisetipps für die Carretera Austral

Falls du jetzt Lust bekommen hat, selber die Carretera Austral zu bereisen, habe ich noch ein paar Tipps für dich.

 

Reisezeit: Dezember bis Februar
Länge: über 1.200 km
Reisedauer: 2 bis 4 Wochen
Ausrüstung: Campingsachen, warme Klamotten, Regenjacke
Transport: per Anhalter (kein Problem), Rad, Mietauto, Bus
Geldautomat: Concrane, Coyhaique, Chile Chico, Puerto Aysen
Link-Tipps: Wikitravel | Chile Travel | Aysén Patagonia

 

Die Route von Norden nach Süden

Hornopiren: Startpunkt, gut zu erreichen von Puerto Montt, kostenlose Fähre nach Süden
Parque Pumalin: div. Wanderungen & Campingplätze
Chaiten: Geisterstadt, Mini-Laden, Fähre nach Chiloé
Coyhaique: größte Stadt (hässlich), Versorgungsstation
Villa Cerro Castillo: Wanderung, Mini-Laden
Puerto Río Tranquilo: am Lago General Carrera, Bootsausflug zu Marmorhöhlen, Gletschertour Laguna San Rafael
Cochrane: Versorgungsstation
Caleta Tortel: Ort auf Holzstegen, kostenloser Campingplatz am Ende des Stegs
Villa O’Higgins: Wanderung, Ausflug zum Gletscher Villa O’Higgins, Fähre zur anderen Seite
Argentinien: zu Fuß zum Lago Desierto, mit Boot & Bus nach El Chaíten

 

Noch Fragen? Dann rein damit in die Kommentare.

 

PS.: Hast du noch nicht genug von Patagonien, dann sind hier die Highlights von Süd-Patagonien.

 

 

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