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Interview mit der reiselustigen Therese

Nach dem Abitur hat das Reisefieber Therese richtig erwischt und sie ist als Volunteer für drei Monate nach Südamerika gegangen. Aber auch während des Studiums ging es wieder raus in die Welt, sie hat mehrere Auslandssemester gemacht und ist viel gereist. Im Moment lebt sie in Lissabon und erzählt uns von ihren weiteren Reiseplänen.

Interview mit Therese

Stell dich kurz vor

Hallo :) Ich bin Therese, 24 und ich reise für mein Leben gerne. Wenn ich nicht gerade reise, studiere ich BWL, momentan im Auslandssemester in Lissabon. Mehr dazu findest du auch auf meinem Blog Travel Tessi

 

Du bist ziemlich reiselustig, wo warst du schon alles?

Puh, lass mich nachdenken… mein erstes Ziel war Belgien, da war ich gerade mal ein Jahr alt. Danach ging es in die Niederlande, nach Italien, Frankreich, England, Griechenland, Österreich, Spanien, Lettland und in die USA.

 

Nach dem Abi hat mich das Reisefieber dann richtig gepackt: Zuerst war ich für drei Monate alleine in Südamerika (Chile, Argentinien und Peru) und danach habe ich alle Vorteile ausgenutzt, die das Studentenleben so zu bieten hat. So war ich viel in Europa unterwegs, sowie in Thailand und Indonesien.

 

Im Bachelor habe ich zwei Auslandssemester in Schweden verbracht und jetzt im Master befinde ich mich wie gesagt gerade in den letzten Zügen meines Auslandssemesters in Portugal.

 

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Nach dem Abi hast du als Freiwilliger in Südamerika mitgearbeitet. Erzähl etwas darüber

Ja genau, nach dem Abi war ich für drei Monate in Südamerika, über eine Organisation. Ich wollte einfach mal was ganz anderes sehen und in das Leben einer mir völlig fremden Region eintauchen. Und weil meine Eltern mich niemals ganz alleine ohne Plan um die Welt hätten ziehen lassen, musste eben etwas Organisiertes her.

 

Erst habe ich für sechs Wochen eine Sprachschule in Santiago de Chile besucht. Wirklich geholfen hat mir da, dass ich die ersten vier Wochen in einer Gastfamilie gelebt habe, in der die Mutter kein Englisch konnte. Schon nach gerade mal einer Woche sind wir von der Kommunikation mit Händen und Füßen auf sinnvolle spanische Sätze umgestiegen. Das war ein tolles Gefühl! Und das Lernen hat so viel mehr Spaß gemacht als in der Schule.

 

Für insgesamt vier Wochen habe ich außerdem in einem Heim für autistische Kinder mitgeholfen. Wobei „mitgeholfen“ ein falsches Bild vermittelt: Ich wurde alleine mit 12 schreienden, schlagenden und spuckenden Kleinkindern in einen Raum gesteckt und sollte sie bespaßen. Da kaum ein Kind sprechen konnte, war das keine leichte Aufgabe. Aber am Ende hab ich die kleinen Monster doch alle liebgewonnen.

 

Nach insgesamt acht Wochen in Chile ging es für mich schließlich weiter nach Cusco in Peru, wo ich in einer Schule die Klasse der Fünfjährigen unterrichtet habe. Natürlich konnten die Kinder noch kein Englisch, aber ich mittlerweile gut genug Spanisch, um ihnen Buchstaben, Zahlen und Farben beizubringen.

 

Insgesamt war es eine tolle Erfahrung und ich bin froh, dass ich so intensiv mit den Einheimischen in Kontakt kommen konnte. Aber ich sehe jetzt im Nachhinein natürlich auch, dass das Ganze Volunteering nur mir etwas gebracht hat. Die Kinder haben nach vier Wochen wieder jemand Neuen vorgesetzt bekommen und werden sich wohl nicht mehr an mich erinnern. Und ob sie jetzt nur dank meines Unterrichts lesen, schreiben und malen können, bezweifel ich ja auch eher.

 

Was würdest du jungen Leuten raten, die gerne ins Ausland reisen wollen, aber sich nicht trauen?

Es kann absolut nichts passieren! Ich war damals froh, dass sich jemand anders – meine Organisation – um alles gekümmert hat. Aber auch ohne eine Organisation im Hintergrund ist es so einfach, vor Ort zurecht zu kommen. Und wenn doch mal was schiefgeht, gibt es immer Leute, die einem helfen.

 

Mich hat zum Beispiel nach meiner Ankunft in Santiago de Chile der Taxifahrer zu einem falschen Haus in einer falschen Straße gebracht, bei dem niemand geöffnet hat. Auf der Straße war auch niemand zu sehen, ich konnte kein Spanisch und mein Handy hat nicht funktioniert. Oh und zu allem Überfluss hat mir der Taxifahrer noch das Dreifache des normalen Taxipreises abgeknöpft.

 

Irgendwann kam zum Glück endlich ein Mann vorbei, der sogar Englisch konnte und mit seinem Handy bei meiner Gastfamilie angerufen hat. Keine fünf Minuten später stand dann auch schon mein Gastvater vor mir.

 

Egal, was ist, irgendwann wird es immer wieder gut ;).

 

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Auslandssemester im Studium

Auch während deines Studiums hast du es nicht lange in Deutschland ausgehalten. Wie hat es dir in Schweden gefallen?

Nicht ausgehalten würde ich es jetzt nicht nennen ;). Das Bachelorstudium hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich glaube, mir fiel es dann hauptsächlich dank der Reise nach Südamerika so leicht, auch hier in Deutschland offen auf neue Leute zuzugehen.

 

Trotzdem stand aber für mich schon bei der Bewerbung für einen Studienplatz fest, dass ich nur an eine Uni gehen möchte, die mir die Anerkennung mindestens eines Auslandssemesters ermöglicht. Das ist in BWL jetzt nicht so schwierig, war aber mein eindeutiges Ausschlusskriterium.

 

Ja und nach vier Semestern bin ich dann wirklich wie geplant ins Flugzeug nach Schweden gestiegen, um meine letzten beiden Semester in Borlänge in der Region Dalarna (ca. 200 Kilometer nördlich von Stockholm) zu verbringen. Ich war schon immer ein großer Astrid Lindgren-Fan und habe Schweden schon lange, bevor ich überhaupt einen Fuß auf schwedischen Boden gesetzt habe, zu meinem Lieblingsland erkoren. Umso glücklicher war ich, dass es mit dem Auslandssemester wirklich funktioniert hat.

 

Das Leben in Schweden war… anders als in Deutschland. Aber auch schön. Ich erinnere mich immer wieder gerne an den Tag Mitte März, an dem ich morgens in die Nachbarstadt zur Uni musste. Es hat schon den ganzen Tag ganz heftig geschneit und man kam schon zu Fuß kaum vorwärts. Als ich am Spätnachmittag dann wieder mit dem Bus zurückfahren wollte, ist der Bus auf halber Strecke, circa 10 Kilometer von der einen und 10 Kilometer von der anderen Stadt entfernt, im Schnee stecken geblieben.

 

Der Busfahrer hat alles versucht, aber wir kamen nicht mehr los. Wir sollten dann aussteigen und Autofahrer darum bitten, uns mitzunehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutschen Autofahrer da allzu begeistert reagiert hätten, aber hier hat mich direkt der Fahrer des ersten Autos mitgenommen und bis vor meine Haustür gebracht.

 

Oder die Geschichte in Lappland, als mein Freund (den ich übrigens auch während meiner Zeit in Schweden kennengelernt habe) und ich nachts um halb eins im Stockdunkeln vom Polarlichtergucken zurück zu unserer Unterkunft kamen und der Lichtstrahl unserer Taschenlampe auf einen Elch fiel, der gemütlich vor unserer Haustür gegrast hat…

 

Ja, Schweden war schon eine tolle Erfahrung. Es war teurer als in Deutschland, kälter, schneeiger, seeiger, roter, ruhiger, aber vor allem schön. Die Leute waren so entspannt und wenn ich an all die Menschen denke, die ich dank dieser Auslandssemester kennenlernen durfte und mit denen ich heute noch Kontakt habe, dann bin ich einfach nur froh, den Schritt gewagt zu haben.

 

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Im Moment bist du für ein Auslandssemester in Lissabon. Wie gefällt’s dir dort?

Ja, genau! Nach den Auslandssemestern in Schweden hatte mich die Reiselust nochmal etwas mehr gepackt und so war für mich sofort klar, dass es im Master wieder weggehen sollte. Dass es schließlich Portugal wird, damit hätte ich vielleicht nicht sofort gerechnet, aber schließlich blieb mir nach Ausschluss aller anderen Optionen (zu kalt, zu heiß, blöde Semesterzeiten, Anforderungen, die ich nicht erfülle) nur noch Lissabon.

 

Und hier bin ich nun. Genau wie bei Schweden war auch diesmal das Land meiner Wahl komplettes Neuland für mich. Und so hatte ich dann anfangs auch ordentlich mit der portugiesischen Mentalität zu kämpfen: Zwanzig Minuten in der Supermarktschlange anstehen, weil die Kassiererinnen noch ein Pläuschchen halten, im Telefonladen gar nicht bedient werden, weil die Verkäufer sich unterhalten, drei Wochen mit kaputtem und deshalb offenen Fenster schlafen…

 

Warum sich die Einheimischen gerne mitten auf die winzigen Bürgersteige stellen, sodass niemand vorbeikommt und dann auch keinen Schritt zur Seite gehen, ist mir bis heute ein Rätsel. Genauso, warum mein Bus, der alle zwanzig Minuten kommen soll, immer dann, wenn ich’s eilig hab und z.B. zum Flughafen muss, erst nach über einer Stunde auftaucht.

 

Aber wenn man sich das wegdenkt, dann ist Portugal ein tolles Land! Das Wetter… hach, da hatte ich noch bis Ende Oktober nonstop die kurze Hose an, konnte auch im Dezember oft noch getrost die Jacke ausziehen… und nach nur dreißig Minuten mit einem Vorortzug ist man schon am Strand. Das Land ist wirklich schön und so leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bereisen – ganz anders als Schweden, wo man ohne Auto kaum wohin kam.

 

Aber für die Mentalität hier fehlt mir einfach noch die nötige Geduld. Ich hatte gehofft, sie mir im Laufe des Semesters antrainieren zu können, aber es sieht fast so aus, als hätte mich die Zeit hier noch ungeduldiger werden lassen ;).

 

Was sind deine Tricks, um sich möglichst schnell an einem neuen Ort einzuleben?

Hmm, gar nicht so leicht… wichtig ist bei mir immer, dass ich ausgeruht bin, wenn ich an einem neuen Ort ankomme. Und dass ich genug gegessen habe. Sonst kann der Ort noch so schön sein, dann gefällt mir auf den ersten Blick erstmal gar nichts. Aber wenn ich mich auf etwas freue, bin ich meistens schon direkt nach der Ankunft so euphorisch, dass ich mich schnell einlebe.

 

Ein wirkliches Geheimrezept habe ich also nicht. Ach doch… vielleicht: Nicht zu viele Erwartungen haben. Dann stört einen vielleicht auch ein nicht-geputztes Zimmer und ein Chaos bei der Anmeldung zu den Unikursen nicht so wie mich an meinem ersten Tag in Lissabon.

 

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Reisepläne

Nach dem Studium willst du für ein paar Monate reisen. Was sind deine Pläne?

Ich hoffe, dass ich bis spätestens Oktober meine Masterarbeit abgegeben und somit den Abschluss in der Tasche habe. Nach Weihnachten soll es dann für vier Monate (laut meinem Freund – ich bin mir da ja noch nicht so sicher, ob wir nicht doch ein Jahr hängenbleiben. Aber pssst!) auf in die Welt gehen.

 

Bisher tendieren wir stark zu Südostasien, weil es uns letztes Jahr in Thailand unglaublich gut gefallen hat und wir glauben, dort auch günstiger wegzukommen als zum Beispiel in Australien. Ich will ja unbedingt mal nach Myanmar, außerdem reizen mich Kambodscha und Vietnam. Mein Freund will nach Malaysia und Singapur, Taiwan und am Liebsten noch nach Neuseeland. Ob wir das noch hinkriegen, werden wir dann sehen. Schön wäre es ja schon. Wenn man schon mal in der Gegend ist…

 

Wie finanzierst du die Reise? Hast du gespart oder willst du unterwegs arbeiten?

Wir haben beide gespart und sparen noch. Wenn wir es nach Neuseeland schaffen, wollen wir da aber auch mal zumindest gegen Kost und Logis arbeiten.

 

Reist du alleine oder mit einem Freund?

Nach Südamerika, Schweden und nach Lissabon bin ich alleine gereist, ansonsten reise ich meistens mit meinem Freund, Freunden oder meinen Eltern. Auf die große Reise Ende des Jahres geht es mit meinem Freund. Aber auch, wenn man mal alleine startet, vor Ort ist man dann ja doch nur selten allein.

 

Vielen Dank für das spannende Interview!