Weltreise langsam reisen

Eine Weltreise ist ein Marathon, kein Sprint!

Wenn ich joggen gehe, neige ich dazu zu schnell zu starten. Dann pocht mein Herz laut und mein Atem wird kurz. Aber erst wenn ich Seitenstiche bekomme, laufe ich langsamer. Ich liebe es schnell unterwegs zu sein, aber damit komme ich nicht ins Ziel. Also schalte ich einen Gang runter und es pendelt sich ein optimales Tempo ein. Das sieht jeden Tag anders aus, je nach äußeren Gegebenheiten und persönlicher Tagesform.

 

Eigentlich wie bei einer Weltreise. Reist du zu schnell, wirst du irgendwann die Lust verlieren und bist ausgepowert. Um die Reise genießen zu können, musst du sie wie einen langen Lauf einteilen und lieber langsamer reisen. So wirst du auch viel mehr um dich herum wahrnehmen und intensivere Erlebnisse machen.

 

Hier sind ein paar überzeugende Argumente fürs langsame Reisen:

 

Weniger ist mehr

Kennst du diese Tage auf Reisen, wenn du abends im Bett liegst und dich nicht mehr richtig erinnern kannst, was du heute alles gemacht hast. Alles scheint ineinander zu verschwimmen, nichts ist mehr klar. Ein Einheitsbrei. Du bist von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gehetzt und kannst sie gar nicht mehr auseinander halten. Geschweige denn dich an die Namen erinnern. Es war einfach zu viel.

 

Jetzt versuch dich an einen besonderen Tag oder Moment zu erinnern, der dir noch lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Wenn du die Augen schließt, ist alles wieder da: die vielen kleinen Details, Gesichter, Namen und die Atmosphäre. Wie hast du dich gefühlt? Wie hat es gerochen?

 

Warum gibt es diese besonderen Augenblicke, an die du dich auch noch nach Jahren erinnern kannst, als wenn es gestern gewesen wäre. Was unterscheidet sie von den anderen blassen Reiseerinnerungen. Es sind die magischen Momente und Erlebnisse, die einfach unter die Haut gehen. Wo du mehr als nur an der Oberfläche gekratzt hast. Die aus der Masse herausstechen. Intensiv sind.

 

Qualität statt Quantität

 

Du musst jetzt nicht gleich deine Bucket List oder Tagespläne zerreißen, um diese Reiseerlebnisse zu schaffen. Aber vielleicht gehst du es einfach etwas langsamer an und siehst die Punkte als optional an. Nimm dir lieber Zeit einen Ort intensiver zu entdecken und länger zu verweilen. Denn am Ende bleiben sowieso nur die besonderen Augenblicke, der Rest verschwimmt mit der Zeit.

 

 

Orang Utah Indonesien

 

Erlebnisse über Sehenswürdigkeiten

Lass uns noch mal zurückspringen zu deinen lebendigen Reiseerinnerungen. Was hast du damals gemacht? Wo warst du? Wenn ich kurz darüber nachdenke, war ich jedes Mal irgendwie aktiv. Bin durch einen Dschungel gestapft. Bin irgendwo hochgeklettert. Habe mich etwas getraut. Interessante Menschen kennengelernt. Die Orte sind ganz verschieden, oft sind sie nur die Hintergrundkulisse. Und immer, wirklich immer hat es damit zu tun, dass ich etwas aktiv entdecke.

 

Im meinem Kopfkino sehe ich Orte wie den Dschungel in Sumatra, Andengipfel, Korallenriffe in Sulawesi, aber auch staubige Straßen und schummrige Hinterhöfe. Auch berühmte Sehenswürdigkeiten wie Angkor oder Machu Picchu.

 

Aber es sind nicht einfach Orte, wie auf einer Postkarte. Vielmehr sind es die Erlebnisse, die meine Erinnerungen so lebendig machen. Als ich im Dschungel den Orang Utans begegnet bin, wie Tarzan mit einer Liane durch den Wald geschwungen bin und beim abendlich Bad im Fluss den Sonnenuntergang bewundert habe. Je aufregender und intensiver dieser Moment war, umso besser kann ich mich an sie erinnern. Desto lebendiger sind sie.

 

Einfach nur Sehenswürdigkeiten abzuklappern wird so zur reinen Zeitverschwendungen und führt nur zur Ermüdung. Konzentriere dich lieber auf die Erlebnisse, so machst du jeden Moment deiner Weltreise unvergesslich.

 

Weltreise: unterwegs in China

 

Intensiver Reisen

Wenn du schnell reist, bist du nur auf der Durchreise und oberflächlicher unterwegs. Wenn du langsam reist, bekommst du einfach mehr von Land und Leuten mit. Es macht Spaß mehr über ihre Geschichte und Kultur zu lernen.

 

Wenn du nur von Ort zu Ort hüpfst, wirst du dir weniger Mühe geben dich anzupassen. Warum auch, du bist morgen schon in einem neuen Land. Bleibst du jedoch länger an einzelnen Orten und wochenlang im Land, bist du mehr daran interessiert, wie du durch den Alltag kommst. Lernst ein paar Brocken in der Landessprache. Beobachtest wie die Locals auf dem Markt handeln. Wo es das beste Streetfood gibt.

 

So nimmst du viel aktiver am Leben vor Ort teil und kommst ganz automatisch ins Gespräch mit den Einheimischen. Du kannst Momente aus ihrem Alltag beobachten und erhältst kleine Einblicke in ihr Leben. So lernst du ihre Kultur, Lebensweise und Sichtweisen besser kennen. Diese Sachen findest du keinem Buch, denn es sind deine ganz persönlichen Eindrücke und Erfahrungen.

 

Danach wirst du viel aufmerksamer hinschauen und die Dinge mit anderen Augen betrachten. Als wenn du die Röntgen-Brille von Superman aufsetzt, siehst du nun viel mehr. Deine Umgebung ist viel bunter und hat mehr Nuancen. Du schaust genauer hin.

 

Am Ende sind es die Begegnungen mit den Menschen und die Aha-Momente, wenn du von anderen Kulturen und Lebenssituationen lernst. So bekommt deine Reise eine ungeahnte Tiefe und du beginnst die Welt mit ganz neuen Augen zu betrachten.

 

Möwe

 

Freiraum schaffen

Damit der Kulturschock nicht zu groß ist, brauchst du Raum, um die ganzen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Der ganze Input kann einen wirklich überwältigen auf einer Weltreise. Da hilft es zwischendurch einfach innezuhalten und alles sacken zu lassen. Durchatmen, bevor es weiter geht.

 

Mit einem straffen Zeitplan und zu konkreten Reiseplänen nicht möglich. Denn du kannst im Vorhinein nicht wissen, wann du das Bedürfnis nach einer Pause hast oder dich ein Ort so sehr fasziniert, dass du länger bleiben willst. Lass dir deshalb selber Freiraum. Mach nicht zu viele Pläne.

 

Auch für deine persönlichen Bedürfnisse und Wünsche. Eine Weltreise ist mit keiner Urlaubsreise zu vergleichen, es ist ein anderer Lebensstil. Während du im Urlaub möglichst viel sehen und erleben willst. Brauchst du auf der Weltreise auch Zeiten in denen du nicht reist oder einen anderen Fokus hast. Damit Körper und Geist zufrieden sind, ansonsten kann Reisen einen ganz schön schlauchen.

 

Schwein

 

Reise-Burnout vermeiden

Und wenn du nicht aufpasst, verlierst du die Lust am Reisen. Manche ereilt es nach drei Monaten, andere später. Wenn das Tempo zu hoch ist und du die anderen Aspekte deines Lebens vernachlässigt, ist es irgendwann genug. Dann streikt Körper und Geist. Du erleidest einen Input-Overload und hast keine Energie mehr. Jetzt hilft nur noch eine Vollbremsung, der Urlaub vom Reisen.

 

Es ist wie nach einer heftigen Partynacht, wenn du den folgenden Tag nicht von der Couch runter kommst. Aber statt liegen zu bleiben, sitzt du schon wieder im nächsten Bus in die neue Stadt. Wie durch einen Schleier nimmst du alles war, bewegst dich wie auf Autopilot. Eigentlich willst du dich nur ausruhen und zurück ins Bett. Feire – reise- ruhig intensiv, aber gönn dir dann wenigstens den Tag auf der Couch danach.

 

Wenn du natürlich von Anfang an langsamer reist, kannst du den Reise-Burnout komplett vermeiden. So bleibt reisen frisch und aufregend. Du nimmst dir zwischendurch immer mal wieder Zeit für Ruhe und Erholung. Schaffst dir kleine Routinen und fühlst dich schnell heimisch. So reist du ausgewogen und kannst alles mehr genießen.

 

Dehang in China

 

Weitere gute Gründe

Du sparst so eine Menge Geld. Anstatt alle ein bis zwei Tage den Ort zu wechseln, bleibst du länger an Orten. Dadurch hast du weniger Transportkosten, kannst bessere Deals für die Unterkunft aushandeln und machst nicht nonstop teure Ausflüge.

 

Du nimmst mehr für dich mit. Lernst die Welt ein bisschen besser kennen, mit all den verschiedenen Menschen und Kulturen. Lernst dich selber besser kennen und schaffst Zeit für persönliches Wachstum. Am Ende der Weltreise wirst du stärker sein und Dinge mit anderen Augen sehen.

 

Du reist umweltfreundlicher. Indem du länger an Orten verweilst und mehr über Land reist. Statt von Land zu Land zu fliegen, nimmst du lieber den Bus oder Zug.

 

Du unterstütz die Menschen vor Ort. Anstatt in großen Hotels zu übernachten, suchst du dir ein kleines Guesthouse, das von einer Familie geführt wird. Du erkundigst dich bei ihnen, wo man gut essen gehen kann. Sie schicken dich zu den leckersten Streetfood-Ständen. So bleibt dein Geld bei den kleinen Einzelunternehmen und nicht in der Tasche großer Hotel- oder Tourismuskonzerne.

 

Sonnenuntergang

 

Fazit: Langsam Reisen = Reisen in Echtzeit

Wie schon Einstein sagte: Zeit ist relativ. So gibt es auch beim Reisen keine geheime Glücksformel. Für jeden sieht das perfekte Reisetempo anders aus und wird sich auch regelmäßig ändern. Die Kunst besteht darin, präsent zu sein und die Reise in Echtzeit zu erleben.

 

Zu schnell rutschen wir in die Beobachterposition, wo wir bei der Reiseplanung vielmehr in der Zukunft leben. Oder beim schnellen Reisen gar nicht mehr hinterher kommen und nur noch konsumieren.

 

Langsam zu reisen ist für mich keine Reiseform, sondern viel mehr eine Reise-Mentalität, ein Mindset. Es geht darum sich Zeit zu nehmen, um seine Umgebung zu entdecken, intensive Erfahrungen zu machen und den Moment zu genießen. Wir führen Regie in unserem Weltreise-Film und entscheiden selber, worauf wir die Kamera schwenken wollen, eine Nahaufnahme oder eine Slowmotion zu machen, aber auch vorzuspulen.

 

Beim langsam Reisen geht es darum, intensiver zu reisen. Länger an Orten zu verweilen, um sie tiefer kennenzulernen. Eine Verbindung zu Orten und Menschen aufzubauen. So machst du das beste aus deiner Weltreise.

 

Mit diesem Artikel nehme ich bei der Slow Travel Blogparade von 1 THING TO DO teil, dort findest du noch viele interessante Beiträge zum Thema.

 

Was ist dein liebstes Reisetempo? Bist du die Schnecke oder der Hase?

 

 

2 Comments

  • Sabine

    Mie gefällt dein Vergleich zum joggen!
    Auf unserer letzen Reise nach Sri Lanka haben wir unterwegs ganz bewusst einige angedachte Stopps und Sehenswürdigkeiten gestrichen, um die Dinge die wir gemacht haben intensiver zu erleben…manchmal ist weniger mehr – da kann ich dir nur zustimmen.

    • Claudia

      Danke Sabine. Wenn man erstmal realisiert hat, dass man sowieso nicht alles sehen kann. Fällt es leichter Stopps wegzulassen… meistens jedenfalls.

Post A Comment

zwei × 5 =