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Kann eine Weltreise nachhaltig sein? Tipps, was du ändern kannst

Schon eine Weile will ich über das Thema Nachhaltigkeit auf Reisen schreiben, besonders wie du nachhaltiger eine Weltreise machen kannst. Aber da sind auch viele Zweifel. Denn ich will ehrlich sein, auf Reisen ist es schwieriger nachhaltig zu leben. Und wenn ich bei mir selber schaue, könnte ich vieles besser machen.

 

Aber darum soll es nicht gehen. Niemand ist perfekt.

 

Hauptsache du tust etwas, denn alles hilft. Dies ist ein Versuch für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und konkrete Ideen zu geben, wie wir alle nachhaltiger Reisen können. Stell dir einen riesigen Haufen vor, je weniger du dazu beiträgst, umso besser.

 

Was ist überhaupt Nachhaltigkeit?

Gar nicht so einfach zu beantworten, da sich die Bedeutung über die Jahre gewandelt hat und es heute keine klare Definition gibt. Aufgetreten ist der Begriff zum ersten Mal in Deutschland im 18. Jahrhundert, wo es um eine nachhaltige Forstwirtschaft ging. In einem Wald sollten nur so viele Bäume gefällt werden, die natürlich nachwachsen können.

 

Eine Kernaussage in der heutigen Zeit ist die Erhaltung für zukünftige Generationen, damit diese ein vergleichbares oder besseres Leben führen können. Es sollen nur so viele Ressourcen verbraucht werden, wie nachwachsen können. Es sollen nicht mehr Emissionen ausgestoßen werden, wie abgebaut werden. Neben den Umweltaspekten geht es aber auch um soziale und wirtschaftliche Themen.

 

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, müsste sich Grundlegendes ändern.

 

Da der Begriff so schwammig ist, kann er von vielen Seiten argumentiert werden.

 

Nachhaltigkeit kann von vielen Seiten betrachtet werden

Vor einigen Jahren habe ich mit einem Freund diskutiert, ob es nachhaltiger für einen Cateringservice ist, normales Geschirr oder Wegwerfgeschirr zu verwenden. Sein Standpunkt: betrachtest du den gesamten Prozess am Energieverbrauch, ist das Wegwerfgeschirr nachhaltiger. Die Herstellung von Glas und Porzellan verbraucht viel Energie. Nach der Veranstaltung muss alles abgeholt werden und gereinigt werden.

 

Es kommt also immer auf den Standpunkt an.

 

Das soll als kleines Intro reichen. Lass uns jetzt über das Reisen sprechen.

 

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Kannst du überhaupt nachhaltig reisen?

Reisende werden schnell verurteilt. Du fliegst, also bist du ein Umweltsünder. Das finde ich nicht fair. Es sollte immer das ganze Leben betrachtet werden. Ein Flug hat natürlich viel größere negative Auswirkungen, aber wie du dein tägliches Leben führst, nicht minder.

 

Aber ich will ehrlich sein.

 

Es ist nicht leicht, nachhaltig zu reisen

In Südostasien bin ich regelmäßig überwältigt von den Herausforderungen: dem Müll, der Luftverschmutzung, dem vielen Verkehr. Meine Bemühungen nachhaltiger zu leben, erscheinen lächerlich in diesem Kontext. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Dann überkommen mich Zweifel, ob ich als Einzelperson überhaupt einen Unterschied mache.

 

Aber dann muss ich an Touristenattraktionen, wie das Elefantenreiten denken, was zum Glück vielerorts nicht mehr angeboten wird. Das motiviert mich und zeigt mir, dass wir als Konsumenten und als Einnahmequellen, durchaus Veränderungen bewirken können.

 

Deine Weltreise ist damit eine Chance.

 

Eine Weltreise ist eine viel nachhaltigere Art ferne Länder zu bereisen

Das gilt natürlich nicht pauschal, aber für viele Backpacker. Du hast nur eine lange Anreise, legst viele Strecken über Land zurück, reist langsamer, übernachtest in Hostels, isst Streetfood, kaufst keine unnötigen Sachen (kein Platz im Rucksack) und sparst dir die Heizkosten im Winter daheim. Ohne zu wissen, reist du so schon nachhaltiger, als auf einer Urlaubsfernreise oder einem Wochenendtrip.

 

Der Artikel soll kein Angriff sein, sondern Impulse geben und ein größeres Bewusstsein schaffen.

 

Denn wir wollen doch alle das gleiche: reisen und die Welt entdecken. An sauberen Stränden schwimmen, unberührte Natur erleben und authentische Erlebnisse machen. Und das möglichst, ohne schlechtes Gewissen.

 

Nachhaltigkeit auf Reisen bedeutet für mich, ein respektvoller Umgang mit den Einheimischen und deren Kultur. Die Natur zu schützen, Müll zu vermeiden und Ressourcen zu schonen. Verantwortung zu übernehmen und entsprechend zu handeln. So das ich getrost auch nach Jahren an einen Ort zurückkehren kann.

 

Indem wir raus in die Welt gehen, können wir den Wandel gerade in Entwicklungsländern unterstützen.

 

Hier sind ein paar Ideen, wie du nachhaltiger Reisen kannst.

 

Transsiberische Eisenbahn

 

Die Reiseroute

  • Reduziere die Anzahl der Flüge und reise so viel wie möglich über Land. Der Zug und Bus sind deutlich umweltfreundlichere Fortbewegungsmittel.
  • Reise nicht mit einem Round-the-World Ticket.
  • Je weiter die Anreise ist, desto mehr Zeit solltest du vor Ort verbringen. Eine dreiwöchige Reise nach Australien von Deutschland macht keinen Sinn.
  • Weniger ist mehr. Lieber intensiver eine Region bereisen, als möglichst viel in kurzer Zeit sehen. Wenn du Südostasien in drei Monaten erleben willst, wirst du viel mehr Strecke mit dem Flugzeug oder Bus machen. Ergo mehr Ressourcen verbrauchen.
  • Meide die Hauptsaison, weil die Belastung in diesen Zeiten am höchsten sind. Die Nebensaison hat darüber hinaus viele Vorteile, so ist weniger los und die Preise sind niedriger.
  • Vermeide möglichst Orte, die unter Overtourism leiden. Verlasse gelegentlich den ausgetretenen Backpacker-Pfad, um überlastete Regionen zu entlasten und eher unbekanntere Regionen zu unterstützen.
  • Kompensiere deinen CO2-Ausstoss, insbesondere bei Flügen. (Ich halte nichts davon. Das ist wie zur Beichte gehen, wenn du was schlimmes getan hast.)

 

Die Reiseart

  • Eine Weltreise ist viel nachhaltiger, als Urlaub in fernen Ländern zu machen oder Kurztrips über das verlängerte Wochenende zu unternehmen.
  • Slow Travel: Du hast noch dein ganzes Leben Zeit zum Reisen. Warum also die Eile?! Genieße lieber die Orte intensiver und lass dir was übrig für später.
  • Nutze öffentliche Verkehrsmittel, geh zu Fuß und fahr Fahrrad. Nicht nur die Umwelt freut sich, sondern auch dein Körper. Auf Reisen ist es schwer Fitness-Routinen aufrechtzuerhalten, daher nutze jede Gelegenheit.
  • Reise mit leichtem Gepäck. Sei ein Minimalist und ersetze nur Sachen in der Tasche, die kaputt oder zerschlissen sind.

 

Markt feilschen

 

Buy local: Wo gibst du dein Geld aus?

Es liegt in deiner Hand, ob dein Geld den Einheimischen, Ausländern oder großen Unternehmen zugute kommt.

 

  • Bevorzuge lokale Anbieter. Das ist von Außen nicht immer klar ersichtlich, aber versuch genauer hinzuschauen. In Bali hatte ich oft das Gefühl, dass vieles in der Hand von Expats und ausländischen Investoren liegt.
  • Beim Essen: Schau, wo die Einheimischen Essen gehen und meide eher die hippen Cafés und Fastfood-Ketten. In einem indonesischen Warung oder beim Streetfood kannst du sicher sein, dass es einem Einheimischen gehört.
  • Geh lieber auf dem Markt oder am Straßenrand deine Bananen kaufen, als im Supermarkt. Kauf lokale Produkte, die vor Ort verfügbar sind und keine lange Anreise hinter sich haben.
  • Hab keine Scheu Preise zu verhandeln, das gehört in vielen Kulturen dazu. Sei jedoch aufmerksam, wann du aufhören sollst. Die paar Cent machen keinen Unterschied für dich, aber bei deinem Gegenüber wahrscheinlich schon.
  • Gib dein Geld nicht nur an einem Ort aus. Es ist zwar bequem alles über das Hostel laufen zu lassen, aber indem du woanders dein Busticket, deine Tour buchst oder essen gehst, sorgst du dafür, dass mehr Leute von deinem Geld profitieren.
  • Entscheide dich für Eco-Friendly Unternehmen, die verantwortungsvoll mit der Umwelt und den Ressourcen umgehen. Aber Achtung, viele schmücken sich NUR mit dem Label, um mehr Kunden anzulocken.
  • Unterstütze lokale Projekte, die versuchen alte Traditionen zu bewahren. Indem die Einheimischen damit Geld verdienen können, sterben diese nicht gänzlich aus.
  • Gib dem Guide Trinkgeld, wenn du eine Tour machst, so kannst du ihn direkt unterstützen.

 

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Respekt

  • Respektiere die Einheimischen: ihre Kultur und Traditionen, ihren Lebensstil und Verhalten. Du bist der Gast und solltest dich entsprechend respektvoll verhalten.
  • Daher ist es wichtig, dass du dich vorab informierst, um Fettnäpfchen zu vermeiden und ein größeres Verständnis zu haben. Das betrifft besonders Frauen, da sie in weiten Teilen der Welt eine andere Rolle einnehmen.
  • Verhalte dich respektvoll. In Asien ziehst du zum Beispiel vor dem Betreten eines Hauses die Schuhe aus. Frauen sollten niemals einen buddhistischen Mönch berühren. Jedes Land hat seine Besonderheiten.
  • Kleide dich angemessen. Ich bin gerade eben zwei Typen begegnet, die so aussahen, als würden sie gerade vom Strand kommen: ohne Shirt, mit Badeshorts und Bier in der Hand. Würdest du so durch deine Heimatstadt laufen?!
  • Lerne ein paar Worte in der Landessprache, das ist nicht nur Zeichen von Respekt, sondern auch ein wirklicher Türöffner.
  • Frag um Erlaubnis, wenn du ein Foto von einem Menschen machen willst. Aus der Ferne mag ein Schnappschuss noch okay sein, aber du merkst selber, ob die Person dich wahrnimmt und es nicht mag fotografiert zu werden.

 

Kinder & Tiere

Sei besonders vorsichtig bei allen, die nicht ihre Stimmen erheben können.

 

  • Gib bettelnden Kindern kein Geld, kauf ihnen lieber Essen.
  • Fotografiere nicht Kinder, die für Fotos hergerichtet werden. Oft verdienen sie so mehr Geld, als ihre Eltern und gehen deshalb nicht zur Schule. So bleiben sie im Kreislauf gefangen.
  • Boykottiere Anbieter, die Tiere quälen oder ihre Lebensräume zerstören. Kein Elefantenreiten, keine Fotos mit Tieren, kein Schwimmen mit Walhaien, die angefüttert werden, etc.
  • Mach stattdessen Touren, wo Tiere respektvoll behandelt werden und aktiv ihr Lebensraum geschützt wird.
  • Füttere keine wilden Tieren, sie sollten sich nicht an den Menschen gewöhnen. Halte respektvollen Abstand und überschreite nicht die Grenzen, nur um dein Foto zu bekommen. Wir kennen alle die Negativ-Beispiele von aggressiven Affen, was immer die Schuld der Menschen ist.
  • Bitte, bitte beschädige keine Korallen beim Schnorcheln. Sie wachsen unheimlich langsam und sind ein sehr sensibles Ökosystem.

 

Müll

 

Umgang mit Ressourcen

  • Vermeide Müll: Zum Beispiel so… Kauf dir eine Trinkflasche* und fülle sie mit gefiltertem Wasser auf. Alternativ kauf dir einen Wasserfilter. Kein Takeaway-Food, außer du bringst deine eigene Box. Kein Wegwerfbesteck, bring deinen Göffel*. Kein Strohhalm, außer du hast einen eigenen Bambus-/Metallstrohhalm. Keine Plastiktüte, bring eine Tasche zum Einkaufen.
  • Reduziere deinen Wasserverbrauch, besonders in Regionen mit knappen Ressourcen.
  • Spare Strom: Schalte das Licht, den Ventilator und die Klimaanlage aus, wenn du das Zimmer verlässt. Verzichte möglichst auf die Klimaanlage, da sie viel Strom frisst.
  • Vermeide Papierprodukte, wenn es eine digitale Alternative gibt. Kauf dir eBooks. Nutze Offline Maps auf dem Handy. Habe ein digitales Notizbuch.
  • Iss weniger Fleisch.

 

Aktivitäten

  • Outdoorsport: Nimm deinen Müll mit und entsorge ihn später in deiner Unterkunft. Bleib auf dem Weg, denn du weißt nie, wie viele Leute dir folgen werden.
  • Souvenirs: Nimm keine Muscheln, Steine, Blumen und Sand mit. Kauf keine Andenken aus Tierprodukten oder seltenen Naturmaterialien.
  • Suche Volunteering Projekt vorsichtig aus, es gibt mittlerweile viele Voluntourismus Projekte, wo es primär darum geht Geld mit den freiwilligen Helfern zu verdienen.
  • Nimm an Beach-Clean-Ups teil oder anderen lokalen Aktionen.
  • Noch besser, mach es dir zur Gewohnheit, eine Türe mit an den Strand oder zum Wandern zu nehmen.
  • Sei ein Vorbild, vielleicht kannst du Andere motivieren mitzumachen.

 

Machst du dir Gedanken über Nachhaltigkeit auf Reisen?

 

Dies ist eine Ideensammlung, was wir tun können. Und ich hoffe, sie wächst durch deinen Input weiter. Hinterlasse mir einen Kommentar, wie du nachhaltiger reist.

 

 

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