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Interview mit Kati und Hermann

Selten habe ich so eine inspirierende Geschichte gehört, wie die von Kati und Hermann. Mehr durch Zufall habe ich sie auf Instagram entdeckt und mit jedem Post immer mehr über sie erfahren. Meine Neugierde war geweckt, so stöberte ich etwas auf ihrem Blog Bunt um die Welt und ihrem YouTube Kanal. Einfach nur WOW! Die Beiden haben einen langen Weg hinter sich, mit vielen Stationen rund um die Welt. Es war definitiv kein leichter, aber aufgeben war keine Option für sie. Und es hat funktioniert, denn sie sind seit mehr als einem Jahr auf Weltreise.

 

Diese Geschichte ist für alle Träumer und Verzweifelte, die nicht mehr an ihren Traum glauben. 

 

Ich freue mich riesig, dass sich die beiden Zeit für das Interview genommen haben. Vielen Dank!

 

Stellt euch kurz vor

Huhu, wir sind Kati und Hermann. Zwei Köche, die sich vor ein paar Jahren gedacht haben: Wir müssen die Welt sehen! Und so packten wir nach einem anstrengenden Vertrag auf einem Kreuzfahrtschiff 2012 unsere Rucksäcke und ab ging’s nach Neuseeland.

 

Dass wir 6,5 Jahre später immer noch um die Welt tingeln würden, daran hätten wir in unseren verrücktesten Träumen nicht gedacht.

 

Unabhängig voneinander habt ihr 2010/2011 die Entscheidung gefällt, aus eurem alten Leben auszubrechen. Was war eure Motivation und Vision für die Zukunft?

Bei Hermann geht das alles viel weiter zurück, denn er ist schon mit 17 raus aus Deutschland. Ausbildung in Österreich, jahrelange Arbeit in Spanien, Kreuzfahrtschiff. Die Motivation war: “Das hier kann doch nicht alles sein.”

 

Bei Kati war es ähnlich. Dieses Gefühl: Und das soll jetzt mein Leben sein? Durcharbeiten bis zur Rente, Haus, Kinder. 4 Wochen Urlaub im Jahr? Seit der Ausbildung gab es den Wunsch, auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten und irgendwann war der richtige Moment einfach gekommen. Die Vision war damals den “richtigen Weg” zu finden.

 

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Dann ging’s für euch aufs Kreuzfahrtschiff, wo ihr euch kennen gelernt habt. Wie hat euch diese Zeit geprägt?

Wir haben in dieser stressigen und nervenaufreibenden Zeit mit viel Arbeit und so gut wie keiner Freizeit gelernt, dass man mit Fleiß und Durchhaltevermögen ziemlich viel erreichen kann. Auf dem Kreuzfahrtschiff gab es so gut wie keine Privatsphäre und wenige Freizeitaktivitäten. Man lernt zu verzichten. Es war für uns beide – unabhängig voneinander – der Zeitpunkt, in dem wir unser eigenes Leben in die Hand genommen haben.

 

Eure nächste Station war Neuseeland, wo ihr es nicht immer leicht hattet und das Geld knapp wurde. Wie habt ihr euch motiviert weiter zu machen?

Einige Zeit nachdem wir unsere Verträge auf dem Schiff beendet hatten, ging es für uns nach Neuseeland. Zu dem Zeitpunkt waren wir 6 Monate zusammen. Wir nahmen unser gesamtes Erspartes und machten uns auf den Weg. Ohne genauen Plan und ohne Rückflugticket. Das Einzige, was wir zu dem Zeitpunkt wussten war, dass wir irgendwo und irgendwann arbeiten müssen, weil das Geld nicht reichen wird.

 

Ein paar Monate jobbten wir auf der Nordinsel und erkundeten den Rest des ersten Jahres beide Inseln mit unserem Van. Beim Kassensturz auf der Südinsel stellten wir dann irgendwann fest, dass wir jeweils nur noch 200 Euro auf dem Konto haben. Zu dem Zeitpunkt lebten wir im Van, ohne Aussicht auf Wohnung oder Job.

 

Die Motivation weiterzumachen und nicht aufzugeben liegt bei uns irgendwie im Blut. Egal wie schwer es ist oder war in unserem Leben, wir sind nicht der Typ der aufgibt, deshalb war klar: Wir brauchen dringend einen Job/Bude in Neuseeland.

 

Ein paar Tage später hatten wir ein Zimmer in einer schönen WG und unterschrieben unsere Arbeitsverträge in Queenstown. Dort arbeiteten wir in langen Schichten, meldeten uns für Extra-Schichten, schufteten 6 Tage die Woche à 12-14 Stunden und knieten uns richtig rein, sodass wir von unseren Arbeitgebern gesponsert wurden und ein zweites Jahr in Neuseeland bleiben konnten.

 

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Nach Neuseeland ging es nach Australien, wo ihr 3,5 Jahre im australischen Outback gelebt habt. Wie kam es dazu und wie lebt es sich mitten im Nirgendwo?

Nachdem unsere Backpacker-Freunde die schon in Australien waren uns erzählt hatten, was es dort für Verdienstmöglichkeiten gibt, mussten wir einfach dorthin. Auch das war nie geplant und Kati zum Zeitpunkt der Einreise schon 31, d.h. viel länger hätten wir nicht warten können, sonst hätte das mit dem Work & Holiday Visum nicht mehr geklappt. 2 Tage nach Ankunft in Perth unterschrieben wir dann unseren Arbeitsvertrag bei einer Arbeitsagentur für einen Job mitten im Outback, knapp 300 Kilometer von der nächsten größeren Ortschaft entfernt.

 

Wie es sich im Outback lebt? Es ist auf jeden Fall anders. Es gibt fast keine Shops, keine großen Möglichkeiten etwas zu unternehmen, wenn man so wie wir kein Auto hat. Keine Einkaufszentren, keine Kinos, stattdessen eine unendliche Weite, tausende Wallabies, Papageien, Schlangen und Frösche. Buschbrände in der Trockenzeit, Überschwemmungen in der Monsunzeit. Im Winter +30°C, im Sommer +45°C. Es gab auf jeden Fall Zeiten im Outback, in denen es nicht einfach war.

 

Wir merkten allerdings recht schnell, dass dies der “perfekte Job in der perfekten Location” ist, für das was wir vorhaben. Wo sonst hat man die Möglichkeit kein Geld auszugeben und wirklich jeden Cent für seinen großen Traum zu sparen?

 

Auch in Australien haben wir uns mit harter Arbeit und vielen Extraschichten den Weg zu einem normalen Arbeitsvisum erarbeitet und konnten somit länger im Land bleiben.

 

Ihr habt wirklich alles für euren großen Traum getan. Wie habt ihr das Geld für die Reise gespart?

Wir sparten unseren gesamten Lohn und verzichteten so ziemlich auf alles. Keine neuen Klamotten, kein Ausgehen, kein gar nichts. Verzicht pur! 3 Jahre lang! Wir zahlten nur die Miete für unser 13 qm Zimmer und eine kleine Verpflegungspauschale.

 

Unser Highlight war, alle paar Wochen im einzigen kleinen Supermarkt des Ortes eine Flasche Cola zu kaufen oder mal eine Kiste Bier. Am Ende ließen wir uns vom Housekeeping sogar Seifen und Klopapier geben, damit wir wirklich jeden Cent zur Seite legen konnten.

 

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Seit Ende letzten Jahres seid ihr nun auf Weltreise. Was bedeutet euch die Weltreise?

Es ist unser Lebenstraum! Wir sind beide schon viel gereist in unserem Leben und für uns war es immer klar – unabhängig voneinander – dass wir nicht in Deutschland leben wollen und die Welt erkunden möchten. Dass wir dann auf dem Schiff den passenden Partner fanden, der die gleichen Vorstellungen und Ziele in seinem Leben hat, machte vieles einfacher.

 

Das Reisen ist das, was uns glücklich macht.

 

Ihr habt eine eher ungewöhnliche Route. Wo wart ihr bereits?

Also ehrlich gesagt haben wir gar keine Route, denn wir planen nichts im Voraus. Bei uns stand nur das erste Land fest und ab da haben wir uns einfach treiben lassen. Wir hätten vor einem Jahr NIE gedacht, die Länder zu bereisen, die jetzt hinter uns liegen.

 

Wir starteten mit Roadtrips durch Botswana, Simbabwe, Südafrika und Namibia, flogen dann weiter nach Mauritius, wo wir 43 Tage bei dem besten Couchsurfing Host ever untergekommen sind (wir hatten nur 2 Tage angefragt). Wir machten jeweils 5 Tauchscheine und entspannten im Paradies.

 

Weiter ging es in die Ukraine und Russland, bevor wir in Georgien einen weiteren Roadtrip starteten. Danach ging’s nach Kasachstan, wo wir ebenfalls mit eigenem 4WD durchs Land tuckerten. Es folgte Pferdetrekking und ein Hauch Nomadenleben in Kirgisistan, bevor wir uns mit dem Zug auf den Weg ins 11. Land des ersten Jahres auf Weltreise machten. Ins märchenhafte Usbekistan.

 

Jahr Nr. 2 hat für uns gerade in Südkorea begonnen und wir reisen nach wir vor ohne Plan. Wann die Weltreise beendet sein wird, steht ebenfalls in den Sternen. Noch ein Jahr? Zwei? Drei? Wir werden sehen. Wo wir uns nach der Weltreise niederlassen wollen? Gute Frage!

 

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Was waren die drei Momente, die ihr nie wieder vergessen werdet?

Puh, schwierige Frage. Wir haben so unfassbar viel erlebt und gesehen, dass wir wahrscheinlich ein ganzes Buch über unsere Highlights und Erlebnisse schreiben könnten, aber wir versuchen mal drei aufzuzählen.

 

#1 – Unser Treffen mit einer Himbafamilie an der Grenze Angolas war – glauben wir – DER Moment unserer bisherigen Reise. Zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein konnten, prallten hier aufeinander, um nach kurze Zeit später festzustellen, dass wir alle gar nicht so verschieden sind und nach den gleichen Dingen im Leben streben. Gesundheit, Glück und Liebe.

 

#2 – Die Freundlichkeit der Menschen! Egal in welches Land wir gereist sind, wir wurden ÜBERALL mit offenen Armen und einem Lächeln empfangen. Die Welt ist ein wunderbarer Ort und das, was im Fernsehen bei der oft einseitigen Berichterstattung gezeigt wird, ist zwar ein Teil davon, jedoch können wir nur empfehlen: Mach dich selber auf und davon und du wirst erkennen: Es ist nicht so “schlimm”, wie es immer dargestellt wird.

 

Wir beide haben einfach nur Glück gehabt, in Deutschland geboren zu sein und somit das Privileg um die Welt reisen zu können. Milliarden anderer Menschen können das nicht. Einfach aus dem Grund, irgendwo anders auf die Welt gekommen zu sein. Das sollte man nie vergessen.

 

#3 – Kati: Als wir den letzten und schönsten Tauchgang auf Mauritius auf knapp 40 Meter Tiefe zu einem Wrack starteten. Ein Märchenzauberwald mit pink/lila Weichkorallen, die auf dem Bug des Wracks wuchsen. Ein unvergesslicher Moment.

 

Hermann: Als ein ausgewachsener frei lebender Elefantenbulle ganz gemütlich 3 Meter neben mir entlangging, während ich gerade in Botswana auf dem Campingstuhl ein Bierchen im Sonnenuntergang trank. Wahnsinn!

 

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Was fasziniert euch an Zentralasien? Wo war’s am schönsten?

Wir reisen am liebsten abseits des Mainstream und der ausgelatschten Pfade anderer, auf der Suche nach wenig Bekanntem und ein bisschen Abenteuer. Deshalb durften die Stans nicht fehlen.

 

Zentralasien ist eine Gegend, die nicht bei vielen Reisenden auf dem Schirm steht. Warum wissen wir ehrlich gesagt nicht. Ist es die Angst vor der Sprachbarriere oder einfach nur Vorurteile?

 

Wir hatten dort jedenfalls mit die schönsten Monate unserer bisherigen Reise. Die unterschiedliche Kultur, abwechslungsreiche Landschaften. Durch diese Länder zu reisen ist so unglaublich einfach (Kati spricht fließend Russisch, muss man dazu sagen), es ist sicher, günstig und die Reiseerfahrung noch authentisch. Es ist nicht wie in anderen Ländern alles für Touristen hochgezogen, hier geht es noch einfach und gemütlich zu.

 

Am meisten hat uns Kasachstan überrascht, weil wir absolut keine Ahnung hatten, was wir erwarten sollten. Wir wussten absolut nichts über das Land, blieben 6 Wochen und erlebten bunte Berge, singende Dünen, türkise Gletscherseen und atemberaubende Canyons.

 

Usbekistan ist ebenfalls ein Land, das es in unsere Top 3 geschafft hat. Die einzigartige Architektur, das Seidenstraßen-Feeling, die unglaublich freundlichen Menschen. Es war die perfekte Kombi und definitiv ein Land, in das wir zurückkehren werden.

 

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Wie einfach ist es dort zu reisen? Habt ihr Tipps für andere Backpacker?

An sich ist die Ecke sehr einfach zu bereisen, wir würden fast sagen, dass es die am einfachsten zu bereisenden Länder unserer bisherigen Reise waren. Man kann einfach Autos und Marschrutki am Straßenrand anhalten und so gegen eine kleine Gebühr von A nach B kommen.

 

Das „Problem“ ist eher die Sprache. In den großen Städten trifft man hin und wieder auf Menschen die Englisch verstehen, aber in den abgelegen Orten kann man sich fast nur in der Landessprache oder auf Russisch verständigen. Aber heutzutage gibt es genügend Übersetzungs- oder Navigation-Apps die einem helfen. Dazu kommt, dass in diesen Ländern die Menschen Touristen gegenüber sehr hilfsbereit sind.

 

Ein nützlicher Tipp wäre auf jeden Fall das Verhandeln, weil Touristen die kein Russisch sprechen gerne von den Schlitzohren namens Taxifahrer über den Tisch gezogen werden.

 

Wie entscheidet ihr euch, wohin es als nächstes geht?

Bauchgefühl! Wir schauen uns meist den Teil der Welt, in dem wir uns gerade befinden, auf einer Landkarte an und schauen, was für Länder im Umkreis liegen und welches uns davon bockt. Wir würden immer Länder vorziehen, über die wir noch nicht viel wissen. Thailand z.B. interessiert uns gar nicht, Tadschikistan, Bhutan oder Ghana dafür umso mehr. Dann checken wir Möglichkeiten für Flüge, Züge, Fähren. Meist wissen wir erst 1-2 Wochen (manchmal auch noch kürzer) bevor es ins nächste Land geht, wohin es überhaupt gehen wird.

 

Wie lange wir bleiben entscheiden wir dann vor Ort. Einige Male haben wir das Visum schon verlängert, weil es uns besonders gut gefiel.

 

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Welchen Rat habt ihr für Leute, die von einem abenteuerlichen Leben träumen?

Unser Rat ist immer: Machen! Nicht irgendwann, sondern jetzt! Nicht zuhause rumsitzen und davon träumen, sondern machen! Nimm all deinen Mut zusammen und trau dich. Du hast nichts zu verlieren und so viel zu gewinnen. Wenn es aus irgendwelchen Gründen auch immer nicht klappen sollte, oder du merkst, dass dieses Leben doch nichts für dich ist, kannst du jederzeit wieder zurück nach Deutschland. Das schwierigste ist der erste Schritt, aber nachdem man den hinter sich gelassen hat, wird es die Zeit deines Lebens.

 

Wenn du es selber nie ausprobierst, wirst du in 40 Jahren immer noch dasitzen und träumen. Und dann ist es eventuell schon zu spät.

 

Wenn wir uns 2010 bzw. 2011 nicht dazu entschieden hätten unser Leben in die eigenen Hände zu nehmen, würden wir wahrscheinlich immer noch unglücklich und frustriert in Deutschland leben und Leute bewundern, die den Schritt gewagt haben. Den Schritt ins eigene Glück.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

 

2 Comments

  • Sabine Tröger

    Wunderbar geschrieben. Mir laufen die Tränen und ich will auch reisen…. Ein Traum ….

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