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Gab es Graf Dracula wirklich?

Du kannst nicht durch Rumänien reisen, ohne über Graf Dracula zu stolpern. Ein gruseliger Mythos, der unweigerlich mit dem Land verwoben ist. Die Rumänen mögen die Augen rollen, wenn Dracula zu Wort kommt und doch profitieren sie von dem Hype. Schuld ist ein irischer Schriftsteller, der sich von alten Schauermärchen und einem fernen mysteriösen Land hat inspirieren lassen, was er übrigens nie besucht hat.

 

Die Frage aber bleibt: Was ist dran an den alten Schauermärchen? Gab es Graf Dracula wirklich?

 

Fürst Vlad III., die Vorlage für Graf Dracula

Im 15. Jahrhundert lebe Fürst Vlad III. in Rumänien. Seinen Beinamen „Drăculea“ (deutsch „Sohn des Drachen“) erhielt er, weil sein Vater Mitglied des Drachenorden war, was eine ähnliche Vereinigung wie der Deutsche Ritterorden war. Das perfide an dem Namen ist, das im rumänischen „Dracul“ ebenso „Teufel“ bedeutet.

 

Fürst Vlad III. wuchs im Exil in Transsilvanien auf und verbrachte mehrere Jahre im Kindesalter als Geisel der Türken im Osmanischen Reich, was seinen Hass auf die Türken schürte.

 

In späteren Jahren wurde er Fürst der Walachei und galt als strenger, aber gerechter Herrscher. Seine Gefolgschaft verehrte ihn, weil er furchtlos in den Kampf gegen die Türken zog, während andere den Widerstand scheuten. Er stellte sich einem übermächtigen Gegner, der ihm haushoch überlegen war und schaffte es ihn in die Flucht zu schlagen. So wurde er zum Held von vielen Leuten.

 

Ein wahrlich interessante Vita, auf Wikipedia findest noch mehr Hintergrundinformationen zu Vlad III.

 

Er galt als grausam und blutrünstig

Seine Methoden, wie er mit Gefangen und Verbrechern umging, war grausam. So ließ er mit Vorliebe seine Opfer pfählen und überließ sie einem qualvollen Tod. Die aufgespießten Körper ließ er als Warnung an den Stadtmauern zurück. Das brachte ihm einen weiteren Spitznamen ein: er wurde fortan auch „Tepes“, in deutsch der „Pfähler“ genannt.

 

Das war die Entstehung eines Mythos. Schon damals wurden sich Geschichten über Vlad III. erzählt, die von Mund zu Mund weitergetragen wurde. Jedes Mal wurde die Erzählung etwas mehr ausgeschmückt und gelangte schließlich auch in den Balkan, Russland und Deutschland.

 

Die Gräueltaten wurden mit der Zeit immer scheußlicher, so war nicht nur die Rede von Pfählungen und Folterungen. Angeblich soll er das Blut seiner Feinde getrunken haben und seine Opfer gezwungen haben, ihre Frauen und Kinder zu essen.

 

Was Wahrheit und was Fiktion ist, werden wir wohl nie wissen.

 

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Die Geburtsstunde von Dracula

Das Buch „Dracula“ von Bram Stoker

Irgendwann wurden die überlieferten Geschichten niedergeschrieben und mit dem aufkommen des Buchdrucks immer weiter vervielfältigt. So gelangte wahrscheinlich eine Kopie in die Hände von Bram Stoker, einem irischen Schriftsteller. Belege gibt es hierfür keine, aber die Parallelen scheinen Indiz genug zu sein.

 

Der Roman „Dracula“ erschien 1897. Er handelt von Graf Dracula, dem wohl berühmtesten Vampir der Geschichte.

 

Die Geschichte beginnt in einer dunklen Nacht in Transsilvanien, wo böse Omen nichts gutes verheißen lassen. Ein Unwissender betritt das Schloss von Dracula, wo er seltsame Entdeckungen in den kommenden Tagen machen wird. Ohne es zu ahnen, verhilft er dem Grafen nach London zu ziehen, wo die Jagd erst beginnt.

 

Noch nie habe ich „Dracula“ gelesen, und so fand ich es nur passend, dies nun in Rumänien nachzuholen (wo denn sonst). Auf Kindle findest du eine kostenlose Ausgabe auf Englisch. Der Text ist zwar schon alt und doch ist die Geschichte spannend bis zum Schluss. Nicht viele Buchpassagen spielen in Rumänien und doch ist es lustig, selbigen Orte dann zu besuchen.

 

Es gibt unzählige Verfilmungen

Der Roman ist nie in Vergessenheit geraten und unzählige Male verfilmt worden, so gibt es fast 30 Dracula-Filme. Am bekanntesten sind die Filme mit Schauspielern wie Christopher Lee und Klaus Kinski. Im Jahr 2000 kam eine etwas andere Version in die Kinos „Dark Prince: The True Story of Dracula“, der Vlad III. aus der rumänischen Sichtweise, als Held darstellt. Und seit neuestem gibt es eine Dracula Serie auf Netflix, von den Machern von „Sherlock Holmes“.

 

Die Faszination scheint ungebrochen.

 

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Der „Dracula Tourismus“

Für Rumänien ist Dracula Fluch und Segen zugleich. Auch wenn die Rumänen den Dracula-Hype nicht mögen, so haben sie sich doch damit arrangiert, da er mehr ausländische Touristen anlockt. Überall kannst du Dracula-Souvenirs kaufen und auf Spurensuche im Land gehen.

 

Auf den Spuren von Dracula

Besonders das Schloss Bran, das „Dracula Schloss“, zieht neugierige Besucher an. Bei einer Besichtigung wirst du nirgendwo den Namen Dracula oder Vlad III. lesen können, denn es ist nicht belegt, das er jemals das Schloss betreten hat. Und doch zieht es viele Leute an, weil es der Beschreibung des Schlosses aus dem Dracula-Roman am ehesten entspricht.

 

Ein weiterer Pilgerort ist Sighișoara (Schäßburg), dem Geburtsort von Vlad III. In welchem Haus er gelebt hat, ist nicht bekannt. Und trotzdem gibt es ein angebliches Geburtshaus „Casa Vlad Dracul“, wo du ein schauerliches Mahl einnehmen kannst. Die Bedienung ist leichenblass geschminkt und auf der Speisekarte stehen blutrote Gerichte, von Tomatensuppe bis rotem Kaffee ist alles dabei.

 

Der dritte Pilgerort ist die Gruft von Vlad III. im Kloster in Comana, in dem nie seine sterblichen Überreste gefunden wurden. Was perfekt ins Bild passt (Untote werden schließlich nicht zur ewigen Ruhe gebettet) oder er ist halt woanders begraben.

 

Die Nachfahren von Drăculea

Der wohl berühmteste Nachkomme von Vlad III. ist Prinz Charles (Prince of Wales). Seine Ur-ur-ur-Großmutter wurde in Transsilvanien geboren und stammt in direkter Linie von Vlad III. ab.

 

Vor einigen Jahren hat der Prinz Rumänien besucht und sich in das Land verliebt. Besonders die ländlichen und naturbelassenen Regionen gefallen ihm sehr gut, so hat er sich mehrere Anwesen in Rumänien gekauft. In Viscri kannst du zum Beispiel bei ihm übernachten oder ein Stück Kuchen essen.

 

Der Mythos Dracula

Die Faszination rund um Dracula ist einfach nicht tot zu kriegen. Wir Menschen gruseln uns halt gerne oder haben Angst davor, was es alles gibt. Mein Großvater, der aus Rumänien stammt, hat als Kind Schauermärchen erzählt bekommen von den Untoten. Vielleicht wollte man ihn einfach davon abhalten mit Fremden zu sprechen oder alleine in Wald zu gehen. Wer weiß?

 

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