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Als Backpacker durch Afrika reisen – Interview mit Liane

Ein halbes Jahr ist Liane durch den Süden und Osten von Afrika als Backpacker gereist, dabei hat sie Südafrika, Swasiland, Lesotho, Malawi, Tansania, Kenia, Uganda und Ruanda besucht. Mit ihrem Zelt ist sie alleine über Land durch den Südosten von Afrika gereist, wo sie unvergessliche Tierbegegnungen hatte, Baobab-Bäume umarmte, den Massai das Schwimmen beibrachte und stundenlang in überfüllten Minibussen verbrachte.

 

Was für ein Abenteuer!

 

Dich erwartet ein spannendes Interview, mit vielen Inspirationen und Tipps zum Nachmachen.

 

Vielleicht kennst du Liane sogar schon, denn sie ist der Kopf hinter der Facebook Gruppe Weltreise und Langzeitreise Community. Mittlerweile hat die Gruppe über 20.000 Mitglieder und ist die beste Anlaufstelle, wenn du dich mit Gleichgesinnten austauschen willst.

 

Stell dich kurz vor

Liane – auf Reisen nennen mich die Leute übrigens Lia, weil ich die englische Aussprache meines Namens nicht sonderlich mag. Ich bin 28 Jahre jung und komme ursprünglich aus Aschaffenburg im südlichen Deutschland, ich sehe mich aber prinzipiell eher als Weltbürger und weniger einem Land zugehörig. Studiert habe ich Soziale Arbeit in Nürnberg. In den vergangenen Jahren habe ich allerdings nicht nur als Jugendsozialarbeiterin gearbeitet, sondern auch viele Hilfsjobs angenommen, um so lange und so viel wie möglich reisen zu können.

 

Im Internet findest du Liane auf Facebook und auf ihrem Blog Travelstoryteller.

 

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Im Moment bist du wieder auf einer großen Reise

Eigentlich bin ich ja die ganze Zeit irgendwie auf einer großen Reise! So richtig los ging es bei mir am 14. April 2014 und mein Startland war Island. Ich hatte gerade mal 2.700 Euro auf dem Konto und hatte vermutlich mehr Mut und Glück, als Verstand zu dieser Zeit. 17 Monate reiste ich durch die Wildnis Alaskas und Kanadas, durch die Regenwälder von Zentral- und Südamerika bis runter nach Chile und Argentinien.

 

Auf dem ersten Teil meiner Weltreise habe ich gelernt zu zelten, Feuer zu machen und jegliche Planung einfach sein zu lassen. Anschließend war ich für zwei Jahre überwiegend in Europa unterwegs, um mich auf mein großes Afrika-Abenteuer vorzubereiten und darauf hinzuarbeiten. Drei Jobs und eine überwiegend 7-Tage-Woche in diesen zwei Jahren, machen es mir möglich, dass ich nach einem halben Jahr Afrika und einem halben Jahr Asien, auch in Ozeanien reisen kann.

 

Nach Afrika und Asien, ist Liane jetzt in Australien

Gerade befinde ich mich in Australien, wo ich als Yogalehrerin in einem Retreat unterrichte und naturverbundene Zeremonien leite, die ich von First Nations aus Amerika gelernt habe. Im November geht es für mich weiter nach Neuseeland und von dort würde ich gerne die Inselgruppen im Pazifik erkunden – mit dem Segelboot natürlich, allerdings hat das noch Zeit.

 

Nach 54 bereisten Ländern bin auch ich an dem Punkt, an dem ich mir sehnlichst eine Homebase wünsche und hoffe mir diese in Neuseeland oder Australien aufzubauen. Aber prinzipiell bin ich flexibel und schaue, was das Leben bringt. Nach Europa zieht es mich derzeit allerdings nicht zurück.

 

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Ein halbes Jahr bist du durch Afrika gereist, was war deine Route?

Ich bin in Johannesburg in Südafrika gestartet und habe mir für dieses zauberhafte Land über 2,5 Monate Zeit gelassen, um es zu erforschen. Dabei habe ich noch Swasiland und Lesotho mitgenommen, beides Länder die mich sehr überrascht und begeistert haben.

 

Wegen dem Militärputsch in Zimbabwe konnte ich leider nicht meine ursprüngliche Route durch Namibia, Botswana, Simbabwe und Sambia nach Malawi nehmen, sondern hatte mich für einen Flug von Kapstadt nach Lilongwe in Malawi entschieden. Von Malawi ging es weiter durch das vielseitige Tansania, die Savanne und Wüste Kenias und die grünen Länder Uganda und Ruanda – alles über den Landweg.

 

Liane’s Route: Südafrika – Swasiland – Lesotho – Malawi – Tansania – Kenia – Uganda – Ruanda

 

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Wo hast du dich am wohlsten gefühlt? Was waren deine Highlights?

Das mit dem Wohlfühlen ist eine gar nicht so einfache Frage. Bei dem Wohlfühlen spielt nämlich häufig auch die Sicherheit mit hinein. Aber ein Highlight kann sicherlich auch in einer nicht so sicheren Umgebung stattgefunden haben.

 

Südafrika

Als Wohlfühlort würde ich deshalb Jeffreys Bay (Südafrika) nennen, einfach weil ich dort länger war, dort gearbeitet habe und in der Community integriert war. Hinzu kommt, dass ich dort meine erste grüne Welle gesurft bin. In Südafrika hatte ich prinzipiell viele erste Male, was dieses Land für mich sehr besonders macht. So bin ich in einem Privatflugzeug über den Blyderiver Canyon geflogen, habe die erste Tieransammlung an einem Wasserloch bestaunen können und Wale die aus dem Wasser springen.

 

Malawi

Malawi hat auch einige Spuren hinterlassen. Wenn man unter Mangobäumen zeltet und sich jeden Morgen an frischen Mango-Pfannkuchen erfreuen kann, dann beginnt jeder Tag mit einem Highlight! Besonders eindrucksvoll war die Fährfahrt nach Likoma Island. Einer Insel auf dem Malawisee, auf der ich dann auch mit dem Fahrrad unterwegs war, um sämtliche Baobab-Bäume zu umarmen und ständig lachende Kinder, um mich herum springen hatte. Die Natur dort ist einfach einzigartig.

 

Tansania

In Tansania hat mich vor allem die Zeit auf Mafia Island und auf Sansibar geprägt. Mafia Island ist nach wie vor noch ein Geheimtipp und folglich touristisch noch nicht so sehr erschlossen. Der Strand war puder-weiß, die Korallen im Meer farbenfroh bunt und die Fischvielfalt war unfassbar. Und dann ist da noch dieser Himmel bei Nacht der 1.000.000+ Sterne parat hält, die sich dann noch im Meer spiegeln und einem ganz klein erscheinen lassen.

 

Neben Mafia Island gibt es Chole Island, eine kleine Nachbarinsel auf der die Menschen sehr traditionell leben. Dort gibt es Fruchtfledermäuse, die unfassbar groß sind. Es war das reinste Schauspiel, wie sie bei Nacht ihre Kreise um die großen Bäume der Insel gezogen haben. Auf Sansibar habe ich Weihnachten und Neujahr verbracht.

 

Kenia, Uganda & Ruanda

Ein Highlight war für mich den Massai das Schwimmen beizubringen und mit ihnen in das neue Jahr zu tanzen. Von Kenia war ich eher enttäuscht, allerdings gab es eine wirklich beeindruckende Begegnung mit den Turkana Leuten in der nördlichen Wüste Kenias. Hierher verschlägt es kaum Touristen und das Leben dort ist sehr einfach.

 

In Uganda habe ich mit einer Freundin, die mich besucht hat die Schimpansen im Regenwald ausfindig gemacht. Und in Ruanda bin ich auf den Vulkan Bisoke gewandert, was nicht nur landschaftlich ein Ereignis war.

 

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Welches Land kannst du Afrika-Neulingen empfehlen? Und warum?

Ich würde jedem zu Tansania raten. Das Land hat einfach so unfassbar viel zu bieten. Es ist zwar, was Safaris betrifft das teuerste Land, aber ich habe es allgemein, als am sichersten empfunden und fand gerade die mögliche Interaktion mit den Stämmen besonders lehrreich und ereignisreich. Das Bussystem ist auch nicht zu schwer zu verstehen und man kommt somit relativ einfach von A nach B.

 

Was magst du an Afrika?

Die Weite, die Landschaft, die Offenheit der Menschen, die Tierwelt und die Möglichkeit an fast jeder schönen Ecke mein Zelt aufschlagen zu können. Hinzu kommt meine Faszination für Naturstämme, von denen es in Afrika zum Glück noch einige gibt!

 

Wie ist es durch Afrika zu backpacken?

Afrika zählt nach wie vor als Backpacker-Unerschlossen. Ehrlich gesagt empfinde ich es einfacher durch Afrika zu reisen, als durch Asien. In Asien gibt es so viel Wettkampf im Tourismus und im Transport, dass mich das eher überfordert. In Afrika gibt es Minibusse, die dich von A nach B bringen. Diese sind zwar meistens überfüllt, aber umso abenteuerlicher ist es dann auch. Die Auswahl an Hostels ist beschränkt, aber die Hostels die es in Afrika gibt sind überwiegend hervorragend und einzigartig. Angenehm ist auch, dass der Altersdurchschnitt von Afrikareisenden bei 25+ liegt und die Reisende die man trifft häufig einen interessanten Background haben.

 

Wie kommst du von A nach B?

In Afrika gibt es überwiegend Minibusse die dich von A nach B bringen. Manche Orte bieten Shuttles an, diese sind dann aber verhältnismäßig sehr teuer! Stellenweise gibt es auch Züge, allerdings muss man diese häufig frühzeitig buchen um einen Platz zu bekommen.

 

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Du warst mit dem Zelt unterwegs. Kannst du das empfehlen?

Absolut! Mein Zelt mit nach Afrika zu bringen, war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Unterkünfte sind prinzipiell teuer in Afrika. Was viele nicht wissen ist, dass jede teure Unterkunft, jedes Hostel und auch viele Lodges eigene, sogar teilweise bewachte, Campingplätze haben. Und wer einmal in Afrika war weiß, dass man mit den Geräuschen und der Sonne Afrikas aufstehen will.

 

Was sind die Herausforderungen beim Backpacken durch Afrika?

Ich würde sagen die Menschen, die um Geld betteln. Leider hat die Missionierung den ein oder anderen Schaden hinterlassen, sodass eine große Bettelkultur entstanden ist. Was in Südafrika hinzukommt ist die Sicherheit und die Tatsache, dass es in den meisten afrikanischen Ländern nicht sicher ist, am Abend die Unterkunft zu verlassen. Natürlich versuchen auch einige Busfahrer einen übers Ohr zu hauen, aber das passiert auch auf anderen Kontinenten.

 

Hast du dich immer sicher gefühlt? Was sind Tipps für andere Backpacker?

Gerade in Südafrika, wo ich viel mit Locals unterwegs war, habe ich mich nicht immer sicher gefühlt. Die Mordrate in dem Land ist verhältnismäßig hoch. Als Tourist bekommt man davon nicht sonderlich viel mit, wenn man sich auf den Hauptrouten aufhält. Ich war allerdings viel abseits unterwegs und habe die öffentlichen Minibusse benutzt – wovon im Regelfall abgeraten wird.

 

In Malawi habe ich teilweise unangenehme Erfahrungen mit Männern gemacht, allerdings hilft es da, sehr selbstbewusst zu wirken. Solange man sich überwiegend dort aufhält, wo Menschen sind ist man größtenteils sicher. Ich würde jetzt niemandem raten, alleine ein Auto zu mieten, sondern immer mit jemandem zusammen die Straßen unsicher zu machen, aber es gibt selbst allein als Frau durchaus Möglichkeiten, Afrika sicher zu bereisen.

 

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Was kostet so ein Backpacking Afrika Trip?

Afrika ist einer der teuersten Kontinente. Safaris kosten im Schnitt zwischen 20 bis 1.000 Euro am Tag! So groß wie die Preisspanne bei Safaris ist, so groß ist sie auch in Sachen Unterkünfte. Zeltplätze starten bei 2 Euro und können bis zu 15 Euro kosten, Hostels gibt es ab 5 bis 25 Euro, Zimmer in Lodges gibt es selten unter 50 Euro die Nacht und je nach Luxus gibt es hier natürlich High-End Preise.

 

Liane hat 1.000 Euro pro Monat ausgegeben

Standard-Backpacker benötigen etwa 1.500 Euro pro Monat

 

Im Schnitt habe ich 1.000 Euro im Monat gebraucht, allerdings habe ich 80% im Zelt geschlafen, immer gut gegessen und neben den üblichen Safaris, auch einen Tauchschein gemacht. Der Standard-Backpacker braucht in Afrika 1.500 Euro im Monat, während ein normaler Tourist selten unter 2.000 bis 2.500 Euro im Monat wegkommt. Die Preisspanne ist hier wirklich enorm groß, weil Komfort in Afrika mit hohen Kosten verbunden ist.

 

Das billigste Land, was ich besucht habe war Malawi, für diejenigen die in Südafrika mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, wird auch dieses Land recht kostengünstig zu bereisen sein. Uganda wird nach und nach teurer, zählt aber auch noch zu den eher günstigen Reisezielen. Teuer empfand ich Kenia, Tansania und Ruanda.

 

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Afrika-Packliste: Irgendwelche Empfehlungen?

Ich habe schweren Herzens meine ganzen blauen, schwarzen und weißen Klamotten zu Hause gelassen – eigentlich Farben, die ich am liebsten trage, die im Busch allerdings eher unpraktisch sind. Da schwarz und weiß als Beutefarben gelten und blau die Tzetzemücke anziehen.

 

Was ein absolutes Muss ist, ist ein Fernglas. Es gibt so viele unglaubliche kleine Tiere und natürlich Vögel, die man mit einem Fernglas einfach besser einfangen kann.

 

Wer eine Spiegelreflexkamera hat, dem empfehle ich ein 250mm+ Objektiv, um auch wirklich nah genug an die Tiere heranzoomen zu können.

 

Was ich auch empfehle, sind richtige Wanderschuhe. Die Wandermöglichkeiten in Afrika sind unendlich und häufig benötigt man doch festes Schuhwerk.

 

Hast du Tipps für Leute, die auch nach Afrika wollen?

Traut euch! Afrika ist bei weitem nicht so gefährlich wie es im Fernsehen publiziert wird. Die Menschen dort sind auch nicht alle am verhungern und am verdursten. Auch was Krankheiten betrifft, ist es nicht so dass man aus dem Flieger steigt und gleich Malaria bekommt. Es gibt in jedem Land SIM-Karten fürs Handy zu kaufen. Die sind nicht nur billig, sondern auch sehr hilfreich wenn man nach Unterkünften suchen möchte. Für alle Camper empfehle ich die iOverlander App.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

 

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Wer hat jetzt Lust auf Afrika bekommen?

Ich auf jeden Fall!

 

Hier sind noch einige interessante Links:

 

Botswana: Travel Guide | Okavango Delta | Chobe NP (Safari & Bootsfahrt)
Kenia: Routenvorschläge | Travel Guide
Lesotho: Travel Guide
Malawi: runterwegs | World Travel Guide | Getting Stamped
Mosambik: Goats on the Road | Tofo
Namibia: als Backpacker | Routenvorschläge | Kosten Roadtrip
Ruanda: Afrika Travel | World Travel Guide
Sambia: Groovy Planet | Afrika Travel
Sansibar: Ferndurst | Wolkenweit | Travel Pins
Simbabwe: runterwegs | A World of Backpacking
Somaliland: Reisebericht
Südafrika: Routenvorschläge | Off the Path | Komm wir machen das einfach | Viel unterwegs | We travel the World
Swasiland: Travel Guide | Highlights
Tansania: Travel Guide | Reisekosten | Safari Serengeti (Reisezeit)
Uganda: Funkloch | Black Dots White Spots | Roadtrip durch Uganda & Ruanda | Berggorillas

 

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Wenn du dich jetzt fragst, wie Liane so viel reisen kann.

Das ist ihre Antwort:

 

The price for being free and traveling the world?

„I am aware that a lot of people idealize my lifestyle. They see picture of Tribes, wild animals, my tent in the middle of nowhere, surreal landscapes and food from an other culture. What you can’t see in a picture are all the struggles that come with it.

 

I call them adventures, because I love to sit with 30 other people in a 10 seater mini bus, i don’t go crazy when there is a bit of dirt in my food, or when it is cooked in a 100 year old pot. I don’t mind showering with cold water, shitting in a hole or behind a bush. But these have been the circumstances during my travels the past 4 years.

 

People keep on asking me:

 

How did you manage to travel in over 50 countries, how could you afford it?!

 

And the answer is as simple as it is: Travel simple, get a tent, shit in holes, hitchhike and don’t go for the typical sights. I’m not rich nor did I ever got money from my parents. So yes, this is the price I paid. Also that I lost my heart in all those countries, with all the people and all these fascinating cultures I met and experienced along the way. I will always have the heart of a traveler, camper, vagabond or how ever you want to call me.“

 

 

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