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Volunteering machen: ja oder nein?

Der Wunsch anderen Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht ist nobel. Und es bietet sich an auf Reisen zwischendurch Volunteering zu machen. Und doch solltest du dir vorher ein paar Fragen stellen, damit du den Menschen wirklich eine gute Hilfe bist. Denn nicht alle Volunteering-Projekte erfüllen diesen Zweck, sondern verfolgen ganz andere Interessen. Deshalb Augen auf bei der Auswahl deines Volunteering Projekts.

 

Meine Volunteering Erfahrungen

Mein erstes Mal war ein Workcamp „Campo der Trabajo“ in Spanien. Während meines Studiums hatte ich mich bei einer lokalen Organisation beworben und bin mitten in der Pampa gelandet. Dort habe ich mit zwanzig Freiwilligenhelfern alte Schäferhütten wiederaufgebaut, die typisch für die Region sind. Die Provinz ist sehr arm und hatte kein Geld für die Erhaltung. Bis auf eine kleine Gebühr war alles kostenlos. Die Arbeit war anstrengend und doch sehr erfüllend, da wir am Ende eine fertige Hütte hatten. Vor allem die Gemeinschaft und der Spaß in der Gruppe waren schön.

 

Als nächstes habe ich beim Weltjugendtag in Köln mitgeholfen und meine Gemeinde unterstützt. Alles lief etwas chaotisch ab und am Ende hatte ich nicht das Gefühl eine große Hilfe gewesen zu sein. Und trotzdem war es schön ein Teil einer so großen Veranstaltung zu sein.

 

Auf meiner Weltreise habe ich dann von La Senda Verde in Bolivien gehört, die sich um Tiere kümmern, die illegal als Haustiere gehalten wurden oder auf dem Schwarzmarkt verkauft werden sollten. Der Tipp kam von anderen Backpackern und war Goldwert. Das Projekt wird von einem bolivianischen Ehepaar geleitet, die sich dieser Aufgabe voll und ganz verschrieben haben. Es werden immer helfende Hände benötigt. Besonders die Arbeit mit den Tieren hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe viel gelernt. Für Unterkunft und Essen habe ich einen geringen Betrag gezahlt, wobei ein Großteil des Geldes für das Tierfutter verwendet wurde.

 

Hier kannst du meinen ausführlichen Bericht zum Volunteering in Bolivien lesen

 

kinder in china

 

Warum helfen?

Jeder von uns hat wohl andere Beweggründe.

 

  • Die Gemeinschaft besteht aus Geben und Nehmen. Jetzt ist deine Chance zu geben.
  • Nutze deine Talente und Fähigkeiten, um etwas Gutes zu tun.
  • Deine Hilfe wird gebraucht, du machst einen Unterschied.
  • Du lernst eine fremde Kultur und ihre Menschen hautnah kennen.
  • Du bekommst ganz neue Einblicke, die deine Weltsicht verändern.
  • Stell dich neuen Herausforderungen und lerne dazu.
  • Es macht Spaß mit Gleichgesinnten zusammenarbeiten.
  • Du machst einmalige Erlebnisse, die du nie wieder vergessen wirst.
  • Deine Tätigkeit ist ein interessanter Punkt in deinem Lebenslauf.

 

Die Schattenseiten – Voluntourismus

Immer mehr Menschen wollen helfen, was eigentlich eine gute Sache ist. Aber es gibt auch Schattenseiten.

 

  • Voluntourismus
    Statt einfach Urlaub zu machen, suchen Leute das große Abenteuer und wollen etwas Gutes tun. Viele Organisationen haben das als Geschäftsmodell erkannt und kassieren ab in die eigene Tasche oder als Selbstzweck.
  • Zu kurzer Aufenthalt
    Bei komplexen Aufgaben und der Zusammenarbeit mit Menschen, allen voran Kindern, sind zwei Wochen einfach zu kurz. Man geht, wenn man gerade eingearbeitet ist. Die Menschen vor Ort stumpfen ab, weil ein ständiges Kommen und Gehen herrscht.
  • Nicht jede Hilfe ist gut
    Viel zu oft wird die Wirksamkeit und die Erfolge eines Hilfsprojekts nicht hinterfragt. Ob sie überhaupt im Sinne der Empfänger / Hilfesuchenden sind.
  • Abhängigkeit
    So entstehen Abhängigkeiten, weil unsere westlichen Lösungen ohne uns nicht weiterleben können. Bis es ganz normal ist, dass wir helfen und zahlen. Besser ist Hilfe zur Selbsthilfe.

 

Die verschiedenen Freiwilligenarbeit-Typen

  • Soziales
  • Gesundheitsversorgung
  • Kinder unterrichten und betreuen
  • Bau- und Infrastruktur
  • Natur- und Umweltschutz
  • Tierschutz und Wildlife
  • Veranstaltungen

 

Müll

 

Wie findest du Volunteering Projekte?

Im Internet findest du unzählige Organisationen, die dich an Projekte vermitteln können. Unter ihnen gibt es gute und schlechte. Genauso ist es unterwegs auf Reisen, du wirst unzählige Möglichkeiten haben zu helfen. Aber wie findest du nun ein gutes Volunteering Projekt, das nützlich ist.

 

Indem du dir ein paar Fragen stellst.

 

  • Welchen Nutzen bringt es?
  • Ist es eine lokale Organisation?
  • Wer arbeitet für die Organisation? Nur Ausländer oder auch Einheimische?
  • Musst du Geld zahlen? Wohin geht das Geld?
  • Wie lange sollte mindestens ein Aufenthalt sein, damit deine Arbeit nützlich ist?
  • Nehme ich den Einheimischen Arbeit weg?
  • Was sagen ehemalige Volunteers?

 

Es ist einfacher, wenn du vor Ort bist und dir alles anschauen kannst. Dich mit anderen Freiwilligen unterhalten kannst, bevor du dich entscheidest.

 

Artikel und Bücher zum Nachdenken

Uncornered Market

Volunteering and Voluntourism: The Good, The Bad, and The Questions You Should Ask

 

Pink Compass

Warum es mich wütend macht, wenn Du „Freiwilligenarbeit mit Kindern“ machen willst…

 

Anne vom Reiseblog Reisefroh

Hilfe oder Voluntourismus – Wie sinnvoll ist Freiwilligenarbeit?

 

Buchtipp

Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann – Volker Seitz

 

Ist Volunteering etwas für dich?

Der Artikel mag etwas negativ klingen, was gar nicht meine Absicht war. Ich selber habe schon positive Erfahrungen gemacht, die ich nicht missen will. Meine Motivation ist einfach, dass du aufmerksam schaust, wo du wirklich helfen kannst. Denn es gibt genug Projekte da draußen, die deine Hilfe brauchen.

 

Überleg dir, was du zu bieten hast (Talente und Fähigkeiten). Wo kannst du am nützlichsten sein. Verpflichte dich nicht blind, sondern mach dir ein paar Gedanken vorab. Denk auch drüber nach, wie viel Zeit du dir nehmen kannst. Meistens ist ein längerer Aufenthalt von mehreren Monaten sinnvoller. Und wenn du nur ein paar Wochen Zeit hast, ist das ein Kriterium bei der Auswahl des Projekts.

 

Aber wie sieht es überhaupt aus, ist Volunteering etwas für dich? Hier sind ein paar Eigenschaften, die hilfreich sind: offen, tolerant, hilfsbereit, Teamworker, motiviert, anpassungsfähig, genügsam (Unterkunft und Essen sind oft einfach), sprichst die Landessprache (wenigstens Englisch), etc.

 

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir bei meinen ersten Projekten nicht so viele Gedanken gemacht. Ich wollte helfen, also habe ich geholfen. Mit der Zeit habe ich aber immer mehr begriffen, dass meine Hand an anderer Stelle vielleicht besser gewesen wäre. Auch hat sich meine eigenen Einstellung und Erwartungshaltung verändert. Vielleicht kannst du direkt mit einer anderen Einstellung an das Thema herangehen, allein schon, weil es heutzutage viel mehr schwarze Schafe gibt als noch vor zehn bis fünfzehn Jahren.

 

Jede Volunteering Erfahrung wird dich prägen und verändern. Dir helfen, die Welt besser zu verstehen und sie positiv zu verändern.

 

Hast du schon mal Volunteering gemacht? Wie war’s?

 

 

2 Comments

  • aar-beratung

    Ich finde so etwas total toll und so erfüllend. Vielen Dank für die wertvollen Infos., nicht nur bei diesem Beitrag. Dieser Blog ist wirklich sehr hilfreich. Ich habe gerade auch deinen Beitrag zum Weltreise Ticket gelesen, dort hat leider das kommentieren nicht geklappt. Ich schon lange im Kopf, einmal um die Welt zu reisen, aber noch nach Infos gesucht, wie man das am besten in die Tat umsetzt. Ich wollte gern wissen, mit welchem Anbietern hast du denn die besten Erfahrungen gemacht, oder kann man das nicht konkret sagen?

    • Claudia

      Danke, das freut mich zu hören. Bei dem Around-the-World-Ticket hängt es davon ab, wohin du fliegen willst, von daher kann ich dir keinen Anbieter empfehlen.

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