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Als Frau alleine auf Weltreise – Frauen-Power!

„Du bist aber mutig!“ – wie oft habe ich diesen Spruch schon auf Reisen gehört und so richtig kann ich nie etwas damit anfangen. Nur weil ich eine Frau bin, werde ich bestimmt nicht einfach zu Hause sitzen. Ja, es ist etwas anderes alleine als Frau auf Weltreise zu gehen, aber so besonders ist es auch wieder nicht.

 

Viele Ängste, Zweifel und Unsicherheiten teilen alle Backpacker jedweden Geschlechts. Die einen mehr oder weniger, was eine Typfrage ist. Wir machen uns alle Sorgen darum krank zu werden, einsam zu sein, ausgeraubt zu werden oder mit einer Situation überfordert zu sein.

 

Als Frauen sind wir oft körperlich unterlegen und werden als leichteres Opfer wahrgenommen. Gerade nachts auf dem Heimweg besteht die Gefahr der sexuellen Belästigung oder sogar Vergewaltigung. Aber das ist nichts Neues für uns, auch in der Heimat kennen wir die Risiken und leider hat jeder schon negative Erfahrungen gemacht. Wir haben gelernt damit umzugehen und versuchen Problemen aus dem Weg zu gehen.

 

Nichts anderes machst du auf Reisen, wenn du alleine unterwegs bist.

 

In meinem Leben musst ich schon oft über meinen eigenen Schatten springen, für mich selber einstehen und Probleme lösen. Auf Reisen habe ich dann schnell gelernt, wie ich mich alleine zurecht finde und wie ich meine Sicherheit erhöhen kann. Das war ein Lernprozess, in dem ich Schritt für Schritt durch Erfahrungen gelernt habe.

 

Was ich vom alleine reisen als Frau gelernt habe:

 

Die Vorteile

Lass uns mit etwas Positivem beginnen, denn es hat durchaus seine Vorteile eine Frau auf Reisen zu sein.

 

Die große Hilfsbereitschaft

Allein reisende Frauen bekommen immer eine extra Portion Aufmerksamkeit, aber auch Hilfe angeboten. Fast schon selbstverständlich haben Leute ein Auge auf dich und springen ein, wenn es Kommunikationsprobleme gibt oder du hilflos wirkst. Dann nehmen sie dich an die Hand, zeigen dir alles und sorgen dafür, dass dich sonst niemand belästigt.

 

Schon oft wurde ich auf Reisen von anderen Frauen oder Familien „temporär adoptiert“. Sie haben sich alle herzerwärmend um mich gekümmert. Mir Essen gegeben, eine Decke auf kalten Nachtfahrten geteilt, den Weg zur Toilette gezeigt und dafür gesorgt, dass ich wieder an Bord war, bevor der Bus weiterfährt.

 

Gerade unter Frauen gibt es eine große Solidarität, so bist du nie ganz allein, was immer ein gutes Gefühl ist.

 

Weniger Berührungsängste

In vielen Regionen der Welt würde eine Frau niemals einen fremden Mann ansprechen, aber bei Frauen sieht das schon ganz anders aus. Es gibt viel weniger Berührungsängste und oft siegt die Neugierde. So kommst du viel leichter in Kontakt zu den Locals, vor allem zu Frauen und Familien.

 

alleine reisen

 

Die Nachteile

Natürlich wirst du auf Reisen Einschränkungen erleben und musst lernen damit umzugehen.

 

Du wirst dir nicht alles alleine zutrauen

Was das genau bedeutet, sieht bei jedem anders aus. Ich wäre die Carretera Austral in Patagonien nie alleine getrampt und war froh, dass ich einen männlichen Begleiter hatte. Ich bin zwar schon kurze Strecken alleine per Anhalter gefahren, aber das wäre mir zu riskant gewesen in so einer abgelegenen Gegend. Auch würde ich mich nicht wohlfühlen alleine wild zu zelten.

 

Jeder hat seine eigenen Grenzen, wobei sich diese regelmäßig verändern. Je nachdem ob du gute oder schlechte Erfahrungen machst. Durchs Reisen habe ich mein Vertrauen in Menschen und das Gute gestärkt. Im Grunde wollen wir alles das Gleiche und die Welt ist lange nicht so gefährlich wie es manchmal beim Blick in die Nachrichten erscheint. Und doch kann nur eine negative Situation dieses Vertrauen wieder zerstören.

 

Extra vorsichtig sein

Deshalb lege ich nie meine Vorsicht ab und bin immer aufmerksam. Zum Glück ist mir noch nie etwas Schlimmes passiert, aber es gab unangenehme Situationen, die ich seitdem versuche zu vermeiden. Was mich mißtrauischer und vorsichtiger gemacht hat. Ich versuche auf mein Bauchgefühl zu hören und sage lieber einmal zu viel nein als ja. Es bleibt ein Balanceakt nicht zu ängstlich zu werden und überall Gefahren zu sehen. Sondern weiter offen auf Leute zuzugehen.

 

Ganz sicher bist du nie

Viele gefährliche Situationen kannst du vermeiden und durch ein selbstbewusstes Auftreten Leute abschrecken. Aber es kann immer etwas passieren. Du kannst einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Mit dieser Unsicherheit musst du lernen umzugehen, ohne das die Angst die Oberhand gewinnt und du das Reisen nicht mehr genießen kannst.

 

Aber ehrlich gesagt, wirst du es von Zuhause kennen. Jeder der in einer großen Stadt lebt, kennt die Gefahren. Als Frau lernen wir damit umzugehen. Der einzige Unterschied zum Reisen ist, dass du dich in einer fremden Umgebung aufhältst und dadurch viel leichter Fehler machst.

 

Pflanze in Wüste

 

Die Herausforderungen

An vieles wirst du dich mit der Zeit gewöhnen und sie einfach hinnehmen, wenn du sie nicht ändern kannst.

 

Eltern überzeugen

Eltern machen sich wohl ein lebenlang Sorgen um ihre Kinder, ganz vermeiden kannst du das nicht. Aber du kannst deinen Eltern ein besseres Gefühl geben, indem du schon öfters ohne Probleme alleine verreist bist. So zeigst du ihnen, das du imstande bist für dich unterwegs zu sorgen und Problemen aus dem Weg zu gehen.

 

Tipp: Halte sie immer auf dem laufenden wenn du unterwegs bist und ruf regelmäßig an.

 

Ungewollte Aufmerksamkeit

In vielen Länder fällst du auf durch deine Kleidung, dein Aussehen, dein Verhalten und das du alleine reist. Deshalb wirst du oft beobachtet oder sogar offen angestarrt, was oft unangenehm ist. In Asien hast du manchmal keine ungestörten Momente in der Öffentlichkeit und du wirst fast schon wie ein kleiner Star behandelt. Gerade in China und Indonesien musste ich für unzählige Selfies posieren, was auf Dauer wirklich anstrengend ist.

 

An vieles musst du dich einfach gewöhnen und dich nicht drüber aufregen. Es ist wie es ist. Freu dich lieber über das herzliche Willkommen und versuch dich in ihre Lage zu versetzen. Für sie bist du ein Exot und zum Anfassen nah. Mir hilft es immer einen Ausgleich zu schaffen, wo ich mich zurückziehen kann und ungestört sein kann. So verkrafte ich die viele Aufmerksamkeit besser. Wenn es mir unterwegs zu viel wird, stecke ich einfach meine Stöpsel in die Ohren und höre Musik.

 

Mitleidige Fragen

Du wirst immer die gleichen Fragen hören: Warum reist du alleine? Bist du verheiratet? Hast du Kinder? Warum nicht?

 

Für viele ist es selbstverständlich in jungen Jahren zu heiraten und eine Familie zu gründen. Frauen mit Ende Zwanzig oder sogar über Dreißig gelten als hoffnungslose Fälle. Mit diesem Mitleid musst du dich abfinden und es weglächeln.

 

Unangenehme Situationen

Manchmal frage ich mich wirklich, was Männer über alleinreisende westliche Frauen denken. Viele Anmachen sind super dreist und direkt. Gerade in konservativen Gegenden habe ich die Erfahrung gemacht, sind die Sprüche am krassesten. Auf offener Straße sprechen sie dich an: „Do you wanna have sex?“ Was mich anfangs sprachlos gemacht hat, ignoriere ich heutzutage einfach.

 

Je öfter ich solche Situationen in einem Land erlebe, desto reservierter verhalte ich mich Männern gegegenüber.

 

Better safe than sorry

 

polizei-peru

 

Tipps für alleinreisende Frauen

Über die Jahre habe ich einige Dinge gelernt, die ich gerne mit dir teilen will. Vielleicht kannst du ein paar Punkte für dich übernehmen.

 

Dress Down – angemessene Kleidung

In vielen Ländern wirst du unweigerlich auffallen, aber mit einer angepassten Kleidung weit weniger. Schau dich einfach um, was einheimische Frauen tragen und wie freizügig sie sich kleiden. In Asien ist es oft nicht üblich ein tiefes Dekolletes, schulterfreie Shirts oder kurze Shorts zu tragen. Pass dich einfach etwas an und trage etwas längere Klamotten. Du wirst dich wohler fühlen, weil dich weniger Leute anstarren.

 

In Südamerika wirst du damit weniger Probleme haben, da vieles freizügiger ist. Aber auch hier erregst du mit einem sexy Outfit mehr Aufmerksamkeit. Finde heraus, wie du dich am wohlsten fühlst.

 

Selbstbewusstes Auftreten

Wenn du dich unsicher oder chaotisch verhältst, leise sprichst und Augenkontakt vermeidest, wirkst du wie ein leichtes Opfer. Das zieht Taschendiebe und Trickbetrüger magisch an.

 

Durch ein selbstbewusstes Auftreten schreckst du viele ab. Schau dir vorher den Straßenplan an, wie du vom Busbahnhof zum Hostel kommst. Geh zielgerichtet. Starr nicht nonstop auf dein Smartphone, sondern sei aufmerksam, was um dich herum passiert.

 

Gut informiert und vorbereitet sein

Das fängt schon damit an, dass du dich vorab über vieles informierst. Wo kommst du an? Fährt ein Bus in die Innenstadt? Welche Taxis sind sicher? Wie kommst du zum Hostel? – So sind deine ersten Schritte in einer neuen Stadt nicht ziellos.

 

Bist du erstmal im Hostel angekommen, kannst du dich beim Personal informieren, in welchen Ecken der Stadt du aufpassen musst und was sie für Tipps für dich haben. Das gilt vor allem für Großstädte. In Asien ist vieles entspannter, als in Süd- und Mittelamerika.

 

Taxi

 

Vernünftig Handeln

Natürlich kannst du einfach Glück haben, um aus einer dummen Situation unbeschadet davon zu kommen (was mir auch schon passiert ist). Aber mit einem umsichtigen Verhalten kannst du riskante Situationen und Problemen direkt aus dem Weg gehen.

 

Mach dich nicht zum Opfer: Lauf nachts nicht alleine rum. Trink nicht zu viel. Nimm keine Drogen. Sei nicht blauäugig. Lass dich nicht auf jeden Typen ein.

 

Nein sagen

Hab keine Scheu eine Einladung abzulehnen und Nein zu sagen. Wenn dir nicht danach ist oder du ein schlechtes Gefühl dabei hast. Im Zweifelsfall ist deine Sicherheit immer wichtiger als die Angst Leute zu enttäuschen oder zu kränken. So hart das auch klingen mag, aber du darfst nicht immer nur nett sein. Zieh klare Grenzen.

 

Anschluss suchen

Gerade wenn du unterwegs bist im Bus oder Zug, wirst du auf andere Backpacker treffen. Und von ganz alleine werdet ihr miteinander reden und euch über eure Pläne austauschen. Es ist immer eine gute Möglichkeit sich die Langeweile zu vertreiben und aufeinander aufzupassen. Vielleicht könnt ihr euch gemeinsam ein Taxi in die Innenstadt nehmen.

 

Bei den Vorteilen habe ich es schon mal erwähnt. Oft beschützen Locals alleinreisende Frauen, such daher ruhig die Nähe zu ihnen und mach den ersten Schritt. So kannst du dir selber eine vertrauenswürdige Person aussuchen, die dir gegebenenfalls helfen kann.

 

gruppenreise

 

Imaginärer Freund oder Ehemann

Jede Frau hat wohl schon mal über den Freund im Hotel oder Zuhause geflunkert, um aufdringliche Männer loszuwerden. Einen Schritt weiter ist einen Fake-Ehering zu tragen, wobei das in Südamerika nur bedingt hilft. Hier halten es viele nicht so genau mit der Treue, solange der Freund oder Ehemann nicht neben dir steht, werden sie es versuchen.

 

Telefonanrufe

Hilfreich ist es auch, einen Telefonanruf zu tätigen oder auch nur so zu tun. Um zu berichten, wo du dich gerade befindest und wann du ankommst. Einige werden sich wohler fühlen, wenn sie eine lokale SIM-Karte haben, um im Notfall wirklich Hilfe rufen zu können.

 

Trillerpfeife oder Pfefferspray

Um ehrlich zu sein, halte ich davon nicht viel. Im Notfall kommst du wahrscheinlich gar nicht so schnell dran. Ich vertraue lieber auf meine laute Stimme. Bei Pfefferspray & Co. kannst du Probleme bei der Einreise bekommen, da jedes Land hier andere Bestimmungen hat.

 

Aber das ist nur meine Meinung. Ich kenne einige Frauen, die auch in Deutschland so etwas nachts in der Handtasche dabei haben. Wenn du dich damit sicherer fühlst, wirst du es vielleicht auf Reisen dabeihaben wollen. Aber erkundige dich vorher, was es für Einreisebestimmungen gibt.

 

Türkeil

Vor meiner Weltreise habe ich den Tipp auf einem Frauen-Reiseblog gelesen und einen Türkeil mitgenommen. Den ich dann nie gebraucht habe. In Unterkünften, wo ich mich nicht wohl gefühlt habe, war der Spalt unter der Tür meist zu groß. So dass jemand von außen ohne Probleme, das Dinge hätte beiseite schieben können. Stattdessen habe ich meist etwas vor die Tür gelegt wie einen Stuhl oder meine Tasche. Generell habe ich versucht mir die Unterkunft immer vorher anzuschauen und sie nicht zu nehmen, wenn ich mich nicht wohl gefühlt habe.

 

Selbstverteidigungskurs

Wenn es um die Entscheidung „Fight or Flight“ geht, werde ich immer versuchen zu flüchten (ich bin ein schneller Läufer). Aber auch hier gilt, wenn du dich wohler und besser vorbereitet fühlst, ist ein Selbstverteidigungskurs eine gute Idee. Besonders wenn du schon schlechte Erfahrungen gemacht hast und du dadurch wieder dein Selbstvertrauen zurückgewinnen willst.

 

per Anhalter Chile

 

Jede Frau ist anders

Jede Frau wird anders wahrgenommen, tritt anders auf und wird dadurch anders behandelt. So macht jede Frau ganz unterschiedliche Erfahrungen und das hat Einfluss auf das eigene Verhalten. Es ist ein Kreislauf. Von daher erlebt jede Frau eine Reise anders und hat eine andere Komfortzone, wo sie sich wohlfühlt.

 

So sehr ich mir auch wünsche, dass Frauen genauso reisen können wie Männer, leider ist dem nicht so. Ja, wir sind anders und setzen uns auf Reisen anderen Gefahren aus.

 

Es kann immer etwas passieren, egal wo du bist. In vermeintlich sicheren Ländern wie Australien, Thailand oder auf Bali und genauso in gefährlichen Ländern. Selbst zu Hause auf dem Heimweg von einer Party oder nachts in der Straßenbahn.

 

Reisen soll Spaß machen. Du musst niemanden etwas beweisen oder Mutproben bestehen.

 

Die Herausforderung ist den Mittelweg zu finden, den du nur durchs Reisen für dich entdecken kannst. Ich kenne genug Frauen, die ohne Probleme durch vermeintlich schwierige Länder in Afrika und Asien reisen. Wieder Andere fühlen sich in Ländern wie Indien oder Iran nicht wohl, weil sie sich eingeschränkt fühlen.

 

Lass dich nicht verunsichern und finde es für dich selber heraus.

 

Unterstützung kannst du auch in diversen Facebook Gruppen finden:

BRAVEGIRLS – Frauen allein unterwegs

Wenn Frauen solo reisen

Club der AbenteurerINNEN | Outdoor-Frauen unter sich

Alleine Reisen- leicht gemacht

 

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